zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

20. September 2017 | 13:18 Uhr

Förderregen für Fata Morgana in Woldegk

vom

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2013 | 06:44 Uhr

Schwerin/ Neubranden- Burg | Es wird seit Jahren hoch gelobt, obwohl es nur auf dem Papier besteht: das Gesundheitshaus Woldegk. Doch nun überschlägt sich die Landesregierung geradezu, dem Projekt Leben einzuhauchen: Erst übergab Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) einen Zuwendungsbescheid über 400 000 Euro - Fördermittel für die Entwicklung ländlicher Räume. Dann legte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nach - 600 000 Euro aus dem Kofinanzierungsprogramm des Landes. Und schließlich zog auch noch der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus, Stefan Rudolph (CDU), bei der Grundsteinlegung Ende Mai einen symbolischen Scheck aus der Tasche - über weitere 371 000 Euro aus Städtebaufördermitteln . Summa summarum kam so von den drei Millionen Euro, die das Projekt kosten soll, knapp die Hälfte aus Fördermitteln zusammen.

Bis 2014 sollen in den zwei Gebäuden des Gesundheitshauses zwei Hausarztpraxen, eine mehrfach nutzbare Facharztpraxis und eine Physiotherapie einziehen, außerdem sollen 14 barrierefreie betreute Wohnungen entstehen.

Tatsächlich sind gerade einmal zwei voll praktizierende Allgemeinmediziner für ca. 8800 Menschen in Woldegk und Umgebung viel zu wenig. Fachärzte gibt es 25 Kilometer entfernt in Neubrandenburg. In Woldegk allein wären sie allerdings auch nicht ausgelastet: 0,33 Kinderärzte, 0,32 Gynäkologen und 0,19 Nervenärzte werden dort lediglich gebraucht - das hat das Institut für Community Medicine der Universität Greifswald ermittelt. Aus diesem Institut stammt auch das Konzept des Gesundheitshauses - in Auftrag gegeben vom Sozialministerium. Ärzte aus umliegenden Kranken- oder Ärztehäusern sollen demnach stunden- oder tageweise im Gesundheitshaus Sprechstunden abhalten, per Telemedizin mit anderen vernetzt.

Für diese Idee rührt Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) schon lange die Werbetrommel - als mobiles Versorgungskonzept, das hilft, die Folgen des sich verschärfenden Ärztemangels auf dem Land abzumildern. Fördern konnte sie das Projekt indess nicht, dem Ministerium stünden lediglich Mittel für Krankenhäuser zur Verfügung, nicht aber für den niedergelassenen Bereich, so ein Sprecher. "Wir haben uns aber mit allen anderen Ministerien zusammengesetzt und gefragt, wer helfen kann."

Die Hilfe ist - wie das ganze Vorhaben - umstritten. "Es gibt wohl hundert Medizinische Versorgungszentren im Land, die längst arbeiten - ohne gefördert worden zu sein", so der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft des Landes, Wolfgang Gagzow.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung heißt es, dass die Situation in Woldegk sich nicht von der in vielen anderen ländlichen Regionen unterscheide. Dennoch unterstützte man das Projekt, so Abteilungsleiter Oliver Kahl. Jahrelange Bemühungen, Hausärzte zur Niederlassung in Woldegk zu bewegen, seien allerdings ergebnislos geblieben. Mediziner aus dem Ärztehaus in Neubrandenburg hätten aber ihre Bereitschaft signalisiert, stundenweise in Woldegk zu praktizieren - in einer Zweitpraxis. Völlig unklar ist aber noch die Ausstattung der Praxisräume. Einen Gyn-Stuhl oder eine HNO-Basiseinheit anzuschaffen, würde sich nicht amortisieren. "Mehr als eine Grundversorgung wird es in Woldegk deshalb wohl nicht geben", meint Kahl. Das aber heißt: Patienten müssen weiter zu Untersuchungen nach Neubrandenburg fahren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen