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Zwischen Raden und Mamerow : Flugzeugwrack bei Raden entdeckt

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Archäologen hatten Wrackteile von Kampfflugzeugen aus dem 2. Weltkrieg entdeckt - die Überreste zweier Spezialmaschinen nach dem Muster der japanischen Kamikaze. Bei der Bergung stießen die Arbeiter auf eine Bombe.

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erstellt am 16.Mär.2012 | 08:22 Uhr

Raden | Aufregung auf der Baustelle der Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) zwischen Raden und Mamerow: Eine 75 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde am Donnerstagabend kontrolliert gesprengt. Archäologen hatten schon vor geraumer Zeit Flugzeug-Wrackteile in unmittelbarer Nähe der Trasse entdeckt. Bei der Bergung stießen sie jetzt auf eine Bombe. Der Munitionsbergungsdienst konnte die Bombe nicht entschärfen. Aus Sicherheitsgründen wurde gesprengt. Menschen waren nicht in Gefahr.

Auf dem Feld ist eine mit Sand gefüllte Grube zu sehen. Darin war die Bombe gleich neben dem Fundort zur Explosion gebracht worden. "Spektakulär ist das nicht", meint Grabungsassistent Frank Mewis, kein Vergleich mit der Aktion vor wenigen Wochen in Koblenz, wo tausende Menschen evakuiert wurden. Alles habe wie am Schnürchen funktioniert. Dennoch: Der Fund sorgt bei den Archäologen, die den Trassenbauern vorauseilen, für großes Interesse. "Ich mache das schon zwölf Jahre, aber ein abgestürztes Flugzeug war noch nicht dabei", sagt Frank Mewis. Nachdem man die ersten verrosteten Teile entdeckt hatte, sei schnell klar geworden, dass es sich um Flugzeugteile handelt. Der Radener Karl-Heinz Stiewe (Sen.) kennt die Geschichte und er konnte in den Aufzeichnungen seines Vaters nachlesen. Am 22. April 1945 wurden in Raden zwei scheinbar miteinander verbundene Flugzeuge - ein kleines und ein großes - beobachtet. Eines davon sei unweit des Dorfes abgestürzt, das andere von dannen geflogen, berichtet der Radener. Schon damals habe es geheißen, dass es sich um eine Spezialmaschine handelt. Die Archäologen recherchierten nun und fanden heraus, dass es sich nach diesen Schilderungen um einen Mistelschlepp handeln könnte. Eine so genannte Mistel bestand aus der Leitmaschine, z.B. eine Bf 109, und einer unbemannten Untermaschine, meist eine umgebaute Ju 88, die mit Sprengladung beladen wurde. Parallelen gebe es zu den japanischen Kampffliegern (Kamikaze), nur dass der deutsche Pilot nach dem Abwurf des unbemannten Flugzeuges zurückkehren konnte. Der Grabungs assistent vermutet, dass die Maschine aus Rostock-Marienehe gekommen war und vielleicht Brücken über die Oder zerstören sollte. Vermutlich habe es technische Probleme gegeben. Mit einer ungeheueren Kraft muss die Untermaschine in tausend Teile zerborsten sein. Leider, so der Grabungsassistent, fehle ein Teil mit einer Seriennummer oder einer Aufschrift als Beweis für diese Theorie.

Die Teile werden von den Archäologen vor Ort gereinigt und ins Magazin gebracht. Unter der Ackerkrume wird mehr zu finden sein, meint Frank Mewis. Doch das herauszufinden, sei jetzt nicht ihre Aufgabe, vielleicht aber Anlass für ein späteres Projekt.

Laut Antje Knollmann, Pressesprecherin von Wingas, hatte der Bombenfund keine Auswirkungen auf die Bauarbeiten an der Erdgasleitung. Mittlerweile seien 90 Prozent der NEL in MV fertig gestellt. Im Herbst soll die Leitung in Betrieb genommen werden.


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