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Nach Ostsee-Sturmflut : Flugzeuge scannen Küste

vom
Aus der Onlineredaktion

Nachdem sich das Ostsee-Hochwasser zurückgezogen hat, beginnt die genaue Schadensaufnahme

Nach der schweren Sturmflut an der Ostsee hat gestern die Vermessung der Küstenlinie per Flugzeug begonnen. Zwei mit spezieller Lasertechnik bestückte Maschinen fliegen über die Insel Usedom sowie von Warnemünde Richtung Fischland-Darß-Zingst, sagte der für den Küstenschutz zuständige Dezernatsleiter Lars Tiepolt vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Rostock.

Die aus dem Laserscan ermittelten Daten würden mit der letzten Messung aus dem Jahr 2016 verglichen, um die Gebiete mit den größten Sturmflut-Schäden zu ermitteln. Die Anlagen des Küstenschutzes an der rund 400 Kilometer Außenküste hätten sich bei der Sturmflut bewährt. „Die Dünen haben ihren Zweck erfüllt, nämlich bebaute Gebiete vor Überflutungen zu schützen“, sagte Tiepolt. Aus küstenschutztechnischer Sicht habe es keine signifikanten Schäden gegeben.

Kritik aus den Gemeinden wie Zempin, es werde zu wenig für den Küstenschutz getan, wies Tiepolt zurück. Dort waren in der Sturmnacht zu Donnerstag Dünen in einer Tiefe von zehn bis 15 Metern weggebrochen und hatten einen Imbiss teilweise mitgerissen. Dieses Küstenareal gilt als nicht bebautes Gebiet.

In den kommenden Tagen scannen die Flugzeuge der Milan Geoservice GmbH aus Spremberg abschnittsweise an der gesamten Außenküste einen etwa 300 bis 500 Meter breiten Küstenstreifen. Aus 600 Meter Flughöhe wird dabei mit einem Laserstrahl (Airborne Laserscanning) die Erdoberfläche quasi „ertastet“. Das Gerät sende 100 000 Lichtpunkte je Flugsekunde auf den Erdboden, sagte Tiepolt. Aus der Laufzeit der Strahlen könne dann ein genaues Volumenmodell errechnet und mit vorhergehenden Messungen verglichen werden. Pro Quadratmeter Küste lägen zwischen ein und fünf Messpunkte vor. Problematisch könnte der seit Donnerstag liegende Schnee auf der Insel Usedom werden, weil dadurch Messergebnisse verfälscht werden könnten.

Die Messungen sollen zeigen, wo akuter Handlungsbedarf besteht und Sandaufspülungen folgen müssen. „Wenn die Düne zu schmal geworden ist, wird aufgespült“, sagte der Experte. Würden Dünen trotz der Abbrüche noch über der Sollstärke liegen, bestehe kein Handlungsbedarf. „Die Umweltbehörden sind nicht dafür da, den Touristen den Sand zu liefern“, sagte Tiepolt. Abbrüche nach Sturmfluten seien normale küstengeologische Prozesse. „Würde die Küste nicht regelmäßig Material verlieren, würde es auch keine Strände geben.“

Umweltminister Till Backhaus (SPD) erwartet erste Hinweise auf möglicherweise größere Schäden bereits wenige Tage nach den Messungen. Die genaue Auswertung der Daten werde jedoch einige Wochen dauern. Das Umweltministerium will mit einer Soforthilfe von zehn Millionen Euro Küstenschutzanlagen zügig reparieren lassen. Weitere Gelder könnten fließen, um auch den Kommunen bei der Bewältigung der Sturmflutfolgen zu helfen.

Sperrwerk offen
Das wegen der Sturmflut geschlossene Sperrwerk in Greifswald ist wieder offen. Die Küstenschutzanlage an der Mündung des Flusses Ryck wurde gestern früh wieder geöffnet, nachdem die Wasserstände vor und hinter der Sperrmauer etwa wieder gleiches Niveau erreicht hatten. Mit dem Sperrwerk wurden das zu Greifswald gehörende Fischerdörfchen Wieck und die Innenstadt geschützt.
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