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Mecklenburg-Vorpommern

18. Oktober 2017 | 00:33 Uhr

Flugzeug zerschellt bei Luftwaffenübung

vom

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2012 | 06:44 Uhr

Warbelow/Gnoien | Die Einwohner in dem kleinen Dorf nahe Gnoien waren schon seit Tagen beunruhigt. Immer wieder jagten zwei kleine Propeller-Maschinen über ihre Häuser hinweg. Dicht beieinander seien sie mitunter geflogen. Wenn da mal nicht noch etwas passiert, hatte Kristina Drewitz schon zu ihrem Mann gesagt. Seit zwei Wochen gehe das schon so, berichtet ihr Nachbar Olaf Kliese: "Zwei Maschinen nebeneinander. Normal war das nicht mehr."

Gestern Mittag, gegen halb zwei, hört Kristina Drewitz das Motorengeräusch wieder. "Sie kamen direkt über unser Haus, als es plötzlich zweimal knallte", erzählt die Warbelowerin. Fehlzündungen seien das gewesen - wie bei einem Moped. Danach sei es völlig still gewesen.

Erst als die vielen Polizei- und Rettungsfahrzeuge durch das kleine Dorf eilen, ahnen die Warbelower, was passiert ist. Sie nennen das Waldstück hinter einem Hügel "De Bäuken", die Buchen. Auf dem Feld davor liegen auf einer Fläche von 200 Metern verstreut die Trümmer eines Flugzeugs des Typs Pilatus PC 9. Eine Plattenstraße führt an der Unglücksstelle vorbei, an die die Polizei niemanden heranlässt. Es riecht nach Benzin. Explosionsgefahr!

In den Trümmern liegen die Leichen der beiden Insassen. Ein schreckliches Bild sei es gewesen, berichtet einer der Polizisten, der den Notarzt zu den Trümmerteilen begleitet hatte. Die beiden Männer seien auf der Stelle tot gewesen.

Wie genau sich die Tragödie abgespielt hat, ist zunächst noch unklar. Die beiden zivilen Flugzeuge seien an einer Übung der Bundeswehr beteiligt gewesen, sagt Polizeisprecher Gerd Frahm. Sie hätten "Zieldarstellungen" geflogen. Das Flugabwehrraketengeschwader 2, das in Sichtweite der Absturzstelle eine Ausbildungsstelle betreibt, trainiert mit derartigen Übungen die Zielerfassung. Die Luftwaffe hatte das zivile Flugzeug von der Firma Vierlei gechartert, das schon seit längerem für das Geschwader Zieldarstellungen fliegt. Zwei Maschinen waren auch gestern dafür eingesetzt. Die Übung sollte an diesem Tag planmäßig beendet werden.

"Die PC 9 ist ein bewährtes Flugzeug. Es wird in der Schweiz produziert und dient als Trainingsflugzeug bei der Ausbildung von Militärpiloten", ist von Firmenchef Jörg Vierlei zu erfahren. Auch er hat für den tragischen Unfall keine Erklärung. "Geflogen wurden beide Maschinen von erfahrenen Piloten. Es gab keine besonderen Umstände, ein Routineflug in normaler Höhe und bei guter Sicht. Die Maschine hat auch keine besonderen Flugmanöver ausgeführt. Sie befand sich im Geradeausflug, als sie plötzlich abstürzte."

Ein Bundeswehrangehöriger, der laut Polizei im Gelände unterwegs war, hatte den Absturz bemerkt. Über die Bundeswehr seien die Rettungskräfte alarmiert worden. Auch ein Polizeihubschrauber wurde eingesetzt, aus dem heraus die am Boden zerschellte Maschine entdeckt wurde.

Am Abend treffen Experten des Luftfahrtbundesamtes an der Unglücksstelle ein und beginnen mit den Untersuchungen zur Absturzursache. Von einem Vogelschwarm ist die Rede, der dem Flugzeug in die Quere gekommen sein könnte. Alles Spekulation, heißt es vor Ort. Die Untersuchungen dauern bis weit in die Nacht. Auch die Identifizierung der Toten.

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