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Flüchtlinge in MV : Flüchtlingskinder überfordern Kreise

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Land gibt es bereits mehr als 1000 unbegleitete minderjährige Ausländer

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 14:50 Uhr

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden für Landkreise und kreisfreie Städte zunehmend zur Herausforderung. „Ihre Inobhutnahme und die erforderlichen Vormundschaften sind mit erheblichem Aufwand verbunden“, betont der Geschäftsführer des Landkreistages Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Köpp.

Nach Angaben des Sozialministeriums halten sich bereits 1041 unbegleitete minderjährige Ausländer in MV auf. „Die Kosten für ihre Unterbringung trägt das Land vollständig“, so Ministeriumssprecher Christian Moeller. Das Land leite auch die Mittel des Bundes für den erhöhten Verwaltungsaufwand an die kommunale Ebene weiter. „Das sind im Jahr 2016 für Landkreise und kreisfreie Städte 655 000 Euro und für den Kommunalen Sozialverband 150 000 Euro“, so Moeller. Zudem würden Fortbildungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe angeboten.

Doch offenbar ist das nicht genug. Landkreistag-Geschäftsführer Köpp geht davon aus, „dass die Belastungsgrenze der Kreise mittlerweile erreicht, zum Teil sogar überschritten ist“. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte vor dem Hintergrund explodierender Kosten gestern sogar eine Absenkung der Betreuungsstandards für unbegleitete Flüchtlingskinder. Köpp spricht zwar nicht von einer Standardabsenkung, aber davon zu überdenken, ob alle angebotenen Hilfen tatsächlich erforderlich sind. Hier sei das Land gefordert, Vorschläge zu unterbreiten.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Silke Gajek bedauert, dass es keine einheitliche Vorgehensweise der Kreise gibt. Fakt sei, dass „bestimmte Konstrukte“ nicht mehr passen. Zwar möchte sie an Mindeststandards für die Betreuung nicht rütteln. Ob in den Wohngruppen nachts, aber auch tagsüber, wenn die Jugendlichen in der (Berufs-)Schule sind, Sozialpädagogen vorgehalten werden müssen, sei jedoch zu hinterfragen, so Gajek. Auch sei zu überdenken, ob die erste Betreuungsphase statt auf Kreisebene nicht in speziellen Einrichtungen in der Nähe der Erstaufnahmestellen erfolgen sollte.

Die Grünenpolitikerin warnt aber davor, im Zusammenhang mit den unbegleiteten Flüchtlingskindern nur über Kosten zu diskutieren. Wichtiger sei die Ausgestaltung ihrer Betreuung. Es müsse darum gehen, sie tatsächlich willkommen zu heißen und zu integrieren. Das hieße auch, den Verteilerschlüssel auf die Kreise noch einmal zu überdenken.

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