„Kunstbuch“ : Flüchtlinge und Traumfänger

Der ehemalige Ministerpräsident Berndt Seite (CDU) kurz vor einer Vorlesung in Rostock
Der ehemalige Ministerpräsident Berndt Seite (CDU) kurz vor einer Vorlesung in Rostock

Ex-Regierungschef Berndt Seite legt erstes „Kunstbuch“ vor. Neben Politik geht es auch um andere Themen.

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11. Mai 2018, 12:00 Uhr

Traumfänger, Schwalbenrat, Mondkiesel, Luther oder Heimat – Mecklenburg-Vorpommerns Ex-Ministerpräsident Berndt Seite (CDU) hat erstmals ein Kunstbuch vorgelegt. Es heißt „Als der Wind zu Besuch kam“ und enthält mehr als 180 Gedichte aus 20 Jahren, wie ein Sprecher des Bertuch-Verlags Weimar mitteilte.

„Etwa zehn Prozent der Gedichte sind politisch – darunter auch das Thema Flucht“, fasst Seite, der selbst als Kind mit der Familie aus Schlesien flüchten musste, den Inhalt zusammen. Weitere Themen: Der Mensch, die Liebe, die Natur und auch Lustiges findet sich in dem 190-Seiten-Werk. Die Illustrationen erarbeitete der Berliner Kinderarzt, Maler und Grafiker Peter Bretschneider. Die Buchpremiere des 78 Jahre alten Ex-Regierungschefs soll am 16. Juni in der Kunstkirche Nossentin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) stattfinden.

„Ich habe schon 1997, noch in der aktiven politischen Zeit, begonnen, Texte auf Zetteln zu notieren“, erläuterte Seite. Nach der Wahlniederlage 1998 war er noch bis 2002 Landtagsmitglied, schied dann aber komplett aus der Politik aus, um als Schriftsteller zu arbeiten. Bisher hat er 13 Bücher veröffentlicht.

„Ich habe mein Diktafon immer dabei“, sagte Seite. Manchmal fielen ihm bei Reden auf Konferenzen Themen ein, mitunter beim Autofahren oder beim Spaziergehen. „Dichten heißt Verdichten“, nennt er sein Lyrikermotto.

Ungeachtet seiner politischen Zurückhaltung treibt Seite das Thema „Flüchtlinge“ aber um. „Unsere Gesellschaft ist sehr aufgewühlt und es werden viele Dinge wie ,Asyl’ und ,Integration’ vermischt“, hat er beobachtet. So sei klar, dass Leuten in Not geholfen werden müsse.

Aber „Asyl“ heiße, dass man ihnen eine Bleibe gibt, bis sie wieder in ihr Land können, um es aufzubauen. Syrische Ärzte sollten vor allem ihren Leuten helfen – dort würden sie mehr gebraucht – und nicht Engpässe in Deutschland überbrücken, sagte Seite. „Ich habe durch meine eigenen Erfahrungen große Sympathien für Flüchtlinge“, erklärte der Wahlmecklenburger. Seine Familie sei nach 1945 auch nicht überall willkommen geheißen worden, aber es war eine Flucht innerhalb eines Kulturkreises. Es dürfe nicht unter den Teppich gekehrt werden, dass gerade viele muslimische Flüchtlinge heute aus anderen Kulturkreisen kommen. In Kanada würden zum Beispiel klare Bedingungen an Menschen gestellt, die dort bleiben wollten.

Der 1940 geborene Seite kam als Kind mit Familie aus dem damaligen Niederschlesien nach Mecklenburg. Er arbeitete nach dem Studium als Tierarzt, war kirchlich engagiert und kam erst mit der friedlichen Revolution 1989/90 in die Politik. Er war von 1992 bis 1998 Ministerpräsident für die CDU in Schwerin.

Infos zum Buch
Das Buch hat rund 150 Seiten, kostet 15 Euro und ist im Bertuch-Verlag Weimar unter der ISBN.Nr 978-3-86397-089-5 erschienen.

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