Wildwuchs im alten Pfarrgarten : Flower-Power aus Bio-Gärtnerei

Kristin Brandt pflückt in ihrer Bio-Gärtnerei frische Wildkräuter.
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Kristin Brandt pflückt in ihrer Bio-Gärtnerei frische Wildkräuter.

Eine Mecklenburgerin baut auf 2000 Quadratmetern Unkräuter, Gräser und Blumen an

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29. September 2017, 12:00 Uhr

Kristin Brandt hat ihn – den sprichwörtlichen grünen Daumen. Dabei legt die studierte Gartenbau-Ingenieurin jedoch keinen Wert auf einen kurz getrimmten Golfrasen, säuberlich geputzte Blumenbeete oder gestutzte Hecken und Bäume. In ihrer grünen Oase ist geordnetes Chaos angesagt. Der Wildwuchs in der Bio-Gärtnerei „brandtgrün“ im alten Pfarrhof Börzow bei Grevesmühlen hat Sinn: Kräuter, Gräser, Blumen sollen üppig wuchern für eine prächtige Ernte praktisch übers ganze Jahr hinweg.

Was für andere Gärtner ein Graus ist, wird in Börzow zum Genuss: Unkraut. Ackersenf, Brennnessel, Giersch und Gänseblümchen, Kresse und Knöterich, Löwenzahn, Melde, Vogelmiere und Wegerich. Sie alle seien vitaminreiche Gewächse mit vielen Nährstoffen und Spurenelementen, die sich bestens zu Salat und Rohkostgerichten verarbeiten ließen, sagt die Kräuter-Bäuerin. „Wer wilde Pflanzen isst, kann auf künstliche Nahrungsergänzungsmittel getrost verzichten.“ Die „unkultivierten“ Pflanzen, Kräuter sowie alte Gemüsesorten vom Rübenblatt bis zum Mangold, kommen ganz, zerschnippelt oder zerstampft auf den Tisch im Hofcafé: als Tee, Salat, Suppe, Smoothie, Pesto, in Wraps, Süßspeisen, Kuchen.

Der Renner: Rohkosttorte, darin gemuste Beeren, Äpfel, Nüsse und oben auf essbare Blüten. „Ich spiele mit den vielfältigen Aromen.“ Bei der Verarbeitung der Rohstoffe und der Bewirtung der Gäste in Brandts Hofcafé hilft Hagen Voigt mit.

Der Clou auf der Speisekarte: Saft aus Gras. Kristin Brandt bereitet das Power-Getränk aus frischem Wiesengras oder Roggenstängeln in einem speziellen Entsafter zu, wie sie erklärt. Das Geheimnis sei das viele Chlorophyll, das Blattgrün. Es mache Grassaft zu einem Superfood, das nach wissenschaftlichen Erkenntnissen beim Aufbau neuer Blutzellen hilft, die Entgiftung und Wundheilung unterstützt. „Das beste Mittel zum Fitwerden.“ Es solle sogar für einen angenehmen Körpergeruch sorgen.

Als „Kräuterfee“ arbeitet Kristin Brandt, die in Stells-hagen bei Boltenhagen geboren wurde, seit mehr als 20 Jahren. 1998 übernahm sie das jahrzehntelang ungenutzte, völlig zugewucherte rund drei Hektar große Pfarrgrundstück in Börzow. „Eine gewisse Struktur war ja noch da“, erinnert sie sich. Hier sammelt sie das ganze Jahr über Wildpflanzen. Auf rund 2000 Quadratmetern baut sie Unkräuter, Gräser und wilde Blumen an. Gewirtschaftet wird streng ökologisch. Kleine Hühner vertilgen Schnecken und Käfer.

„Mittlerweile säen sich die Wildkräuter von alleine aus, gepflegt wird nur ganz vorsichtig, es ist und bleibt eben ein gewollt unordentlicher Garten“, erklärt Brandt. Das Konzept überzeuge inzwischen junge Leute aus aller Welt. Regelmäßig kämen Interessierte zum Mitarbeiten in die versteckt liegende Gartenidylle.

Und die Unkräuter aus Börzow nehmen ihrerseits den Weg in alle Himmelsrichtungen: Per Paketversand schickt Brandt ihre gesunde Wild-Kost bundesweit an Restaurants, Gourmet- und Hobbyköche.
 

Kräuterforschnung

Das Forum „Symposium on medicinal plants 2017“ der Hochschule Wismar führte Mitte September Kräuter-Experten auf der Insel Poel zusammen. Die Tagung beschäftigte sich mit der Kultivierung und Verarbeitung von Heilpflanzen wie Moringa, Brahmi, Weihrauch, , Brennnessel oder Karde. Rund 50 Wissenschaftler, Unternehmer und Bauern aus Armenien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Indien, Indonesien, Litauen, Peru und der Schweiz nahmen teil.
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