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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 13:04 Uhr

Sommertour : Flossen und Knopfaugen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Robbenstation in Rostock-Hohe Düne für Besucher geöffnet.

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 21:27 Uhr

Fin ist etwas Besonderes. Der Seebär thront auf seiner eigenen Ponton-Insel und pflegt sein Fell. Die acht Seehunde, die drumherum durchs Wasser tollen, brauchen das nicht. Was die beiden Arten aber verbindet, wie sie sich im Wasser orientieren, wie sie jagen - das erforschen Wissenschaftler der Universität Rostock seit 2008 direkt im Meerwasser an der Ostmole von Warnemünde.

„Unsere Tiere sind recht individuell“, weiß die Biologin Yvonne Krüger, die hier für ihre Doktorarbeit forscht. „Manche arbeiten gern mit, andere sind eher faul. Manche ärgern sich, wenn sie Fehler gemacht haben, drehen dann erstmal eine Runde im Becken, um sich abzureagieren.“ Die Seehunde sind in hiesigen Breitengraden heimisch, allein Fin der Seebär stammt aus Südafrika.

Zu den Fragen, denen die Forscher nachgehen, gehört, wie die Tiere hören oder wie sie sich zeitlich orientieren. „Sie müssen ja zum Beispiel wissen, wann welche Jahreszeit ist oder wann Ebbe und Flut kommen“, erklärt Krüger. „Wir versuchen herauszufinden, wie das genau funktioniert.“ Die meisten Projekte gehören zur Grundlagenforschung.

Aber es gibt auch Themen, die in der Bionik Anwendung finden, dann lernen Ingenieure von der Natur. „Die Barthaare der Robben zum Beispiel haben einen wellenförmigen Querschnitt, keinen runden wie die anderer Tiere. Dadurch fangen die Haare im Wasser nicht an zu schwingen, und die Robben können ungestört auch sehr schwache Strömungen wahrnehmen, die vorbeiziehende Beutetiere auslösen. Dieses Prinzip kann man zum Beispiel auf hohe Bauten wie Schornsteine übertragen, die durch eine entsprechende Außenstruktur weniger in Schwingungen geraten. Oder man kann Sensoren entwickeln, die Strömungsmuster im Wasser aufspüren.“

Diese und andere spannende Geschichten über die Robben erfahren die Besucher im Marine Science Center (MSC) auf dem Sonnendeck der „Lichtenberg“. Das ehemalige Fahrgastschiff dient als Labor, ist aber auch für jedermann geöffnet. Etwa 35 000 Besucher nutzen jedes Jahr diese Chance, Forschung live zu erleben. In der Saison von April bis Oktober sind Besucher täglich von 10 bis 16 Uhr willkommen, im November noch von Donnerstag bis Sonntag. Geforscht wird aber das ganze Jahr über. Größere Gruppen können sich zu wissenschaftlichen Führungen anmelden. Aber auch Einzelbesucher finden auf dem Sonnendeck immer einen Mitarbeiter des MSC für Erklärungen und Antworten auf ihre Fragen. Wer noch näher heran möchte, kann sich einige Tage vorher zu besonderen Besuchen anmelden und darf dann ganz nah beim Training dabei sein. Diese Spezial-Führungen werden für maximal zehn Personen angeboten. Und für ganz Enthusiastische organisiert die Forschungsstation zusammen mit einer Tauchschule sogar Besuche bei den Seehunden im Wasser.


www.msc-mv.de

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