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Gesichtschirurgie : Fliegenlarve nistet sich in Wange ein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

32-Jähriger bringt Horrorsouvenir aus dem Guatemala-Urlaub mit - Kleine Sensation in der Uniklinik Rostock

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 20:33 Uhr

Mit einer schmerzenden Wange und einem „schwirrenden Gefühl“ in der Gesichtshälfte geht ein 32-Jähriger zu seinem Hausarzt in Rostock. Dieser verschreibt ihm Medikamente, um seine Schmerzen zu lindern. Nachdem diese jedoch nicht geholfen haben, wendet sich der Patient an die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Rostock. Was die Ärzte dann entdeckten, ähnelt einem Horrorfilm: Eine lebendige Fliegenlarve hatte sich in der Wange eingenistet.

Der damalige geschäftsführende Oberarzt und Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Jan-Hendrik Lenz hat sich dem Fall angenommen. „In unseren Breitengraden sind solche Erkrankungen eher außergewöhnlich. So ein Fall kommt in der Regel alle zehn Jahre mal vor“, so Lenz.

Obwohl der Vorfall mittlerweile ein Jahr zurückliegt, ist er erst jetzt in einer Fachzeitschrift aufgegriffen worden.

Ein Tropenmediziner wurde zur Klärung der Krankheit unterstützend zu Rate gezogen und ein Ultraschallbild bestätigte dann den Verdacht einer tropischen Infektion, ausgelöst von einer Dasselfliege.

Der Rostocker hatte sich diese etwas andere Urlaubserinnerung aus einer Guatemala-Reise (Zentralamerika) mitgebracht. Nach Angaben des Arztes habe sich der Urlaubsreisende mit einem Moskitonetz vor Insekten schützen wollen.

Doch wie konnte sich die Fliegenlarve dann unbemerkt den Weg in die Wange bahnen?

Fliegenlarven suchen sich nach Aussagen von Experten einen Platz, um ihre Eier abzulegen. Dabei könne auch ein Moskitonetz nicht immer umfassenden Schutz leisten und die Insekten vom Einnisten abhalten. Die menschliche Haut bietet dabei gute Bedingungen für Fliegenlarven zu überleben. Durch die Körperhitze des Menschen bekommen die Larven die nötige Wärme, um zu schlüpfen. Die Insekten dringen dann in die Hautoberfläche ein und halten sich am Gewebe fest. Nach ungefähr sieben Tagen suchen die Larven in der Haut nach Sauerstoff. Aus diesem Grund zieht es sie anschließend zur Hautoberfläche. Sichtbar wird eine Schwellung in der betroffenen Körperregion, die sich wie bei dem jungen Rostocker entzünden kann. 60 Tage lang entwickelt sich eine Larve, die bis zu zwei Zentimeter groß werden kann, in der Haut. Anschließend verlässt sie selbstständig die Oberfläche und eine natürliche Linderung tritt ein.

Der Patient aus Rostock musste jedoch nicht zwei Monate warten bis sich die Larve selbstständig aus der Haut gebohrt hat. Aufgrund der Schmerzen und des entstandenen Ekelgefühls wurde die Fliegenlarve von den Ärzten umgehend aus seinem Gesicht geschnitten.

Um bei einer Infektion schnell reagieren zu können, rät Lenz Urlaubsreisenden sofort einen Fachmann oder auch Tropenmediziner aufzusuchen, wenn Veränderungen am Körper sichtbar werden oder der Betroffene nicht genau weiß, ob er sich mit einer Krankheit infiziert hat. „In tropischen Urlaubsgebieten ist die Gefahr groß, sich mit für uns eher untypischen Krankheiten anzustecken“. So kann es in exotischen Gebieten öfter vorkommen, dass ein Insekt wie die Dasselfliege vor Urlaubern nicht Halt macht.


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