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Unwetter über MV : Fliegende Hundehütten und zerstörte Träume

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Umgestürzte Bäume, herumfliegende Dachziegel, Trümmer und Familien in Not – diese Folgen hatte der Tornado nicht nur in Bützow. Auch in anderen Regionen gab es eine Schneise der Verwüstung. Einige Beispiele:

 

Ludwigslust: Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Groß Laasch sollte einmal das Zuhause von Familie Pedersen werden. Jetzt liegt es in Trümmern. Der Rohbau stand im Auge des Tornados. „Das Haus ist nicht mehr zu retten“, sagt Bjørn Pedersen und wühlt in den Überresten des Gebäudes. „60 000 Euro Schaden, und keine Versicherung wird zahlen.“ Seine Frau Kathi zieht aus dem Schutt einen Kinderroller aus Plastik hervor. „Der hat es überlebt“, sagt sie. Die Familie war nicht vor Ort, als die Katastrophe losbrach. Wie es weitergeht? Ein Türsturz steht nur noch bedenklich lose und droht herunterzukrachen. „Dann ist der letzte Halt weg und der ganze Teil des Hauses stürzt ein“, fürchtet der Familienvater. Der Rest der Region kam glimpflicher davon, die Feuerwehr hatte trotzdem genug zu tun. Nebenan liegen umgestürzte Baumstämme an den Schienen. Im Nachbarort kippte ein Baum an einen Hausgiebel. Entlang der B  106 gab es diverse kleinere Schäden.

 

Parchim: Hoch über den Rindern klafft ein gewaltiges Loch im Dach, in ein Futtersilo hat sich der Dachstuhl gebohrt, ein Stall ist einsturzgefährdet, weitere Hallen sind beschädigt. Lothar Stehr ist noch immer fassungslos. „Es war einfach schrecklich und man fühlt sich machtlos.“ In seinem Landwirtschaftsbetrieb in Dütschow hält er 500 Rinder und 1000 Schweine. „Wir waren beim Melken, als Sturzregen aufkam.“ Dann flogen Dachteile. Die Mitarbeiter flüchteten in die Ställe, der Strom fiel aus. Menschen und Tiere blieben unverletzt.

Aufräumen am Tag danach. Den Ort Dütschow traf es besonders hart. Mindestens zehn Häuser wurden beschädigt, Dächer zum Teil abgedeckt. Im Ort packten gestern alle an und räumten die von Feuerwehrleuten zersägten Bäume von den Grundstücken. Auch betroffen: Das Dach ihres Gerätehauses.

 

Brüel: André Prätorius und der Hund schafften es gerade noch ins Haus, seine Frau Karina nicht mehr. „Ich habe mich an die Hauswand gedrückt. Plötzlich kam die Hundehütte vorbeigeflogen und dann auch Blumentöpfe“, erzählt sie. Später im Haus habe sie sich gewundert, warum das Ohr so juckt. „Ich hatte ganz viel Erde drin.“ Der Spuk dauerte nur wenige Minuten, danach, um 18.37 Uhr, waren in Brüel 40 Häuser beschädigt. „Wir hatten noch Glück“, sagt André Prätorius. Sein Opel hat einen Totalschaden, ist übersät von Beulen, das Heckfenster ist kaputt.

Die Spur der Verwüstung zieht sich durch den Ort: Bei Kirschnicks riss der Tornado das Dach vom Anbau. Die verbeulte Dachrinne fand sich eine Straße weiter im Vorgarten der Stuhrs wieder. Beim „Kfz-Service Baustian“ muss das Dach erneuert werden, Schlafzimmer und Kinderzimmer sind nass. Den Schaden schätzt der Firmenchef auf 200 000 bis 250 000 Euro.

 

Güstrow: Aufatmen in der Region zwischen Laage und Krakow am See – die Bewohner haben den Sturm relativ glimpflich überstanden. Der schwerste Vorfall: ein umgekippter Lastwagenanhänger. Dabei wurde auch eine Straßenlaterne beschädigt. Auch hier wurden reihenweise Bäume umgeknickt. Im Kreisgebiet mussten die Feuerwehren 87 Einsätze bewältigen. 150 Einsatzkräfte halfen in Bützow vor Ort. Bei etwa 7500 Wemag-Kunden fiel der Strom aus.

 

Weitere Artikel über die Unwetterschäden im Land finden Sie auf unserer Dossierseite zu dem Thema: www.svz.de/tornado


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