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Karpfenernte in der Lewitz : Fliegende Fische

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In der größten Karpfenanlage Norddeutschlands – den Teichen der Lewitz – läuft die Ernte

Hopp, ein dicker Fisch fliegt zappelnd durch die Luft. Platsch, landet er im Wasserbecken. Im südmecklenburgischen Naturschutzgebiet der Lewitz läuft die Karpfenernte auf Hochtouren. Die mit 750 Hektar größte Teichanlage Norddeutschlands sollte bis Mitte November geleert sein, sagt Hermann Stahl, Geschäftsführer der Lewitz Fisch GmbH Neuhof bei Neustadt-Glewe. Die 32 Teiche von jeweils elf bis 88 Hek-tar Fläche würden jetzt nach und nach trockengelegt und mit dem Ablaufen des Wassers rund 300 Tonnen Karpfen in großen Netzen eingesammelt. Von den Spiegelkarpfen, die kaum Schuppen haben, sortieren die Fischer die Jungtiere heraus und werfen sie in extra Wannen. Sie kommen später zum Überwintern in tiefere Teiche und dürfen im nächsten Jahr weiterwachsen.

Rund 150 Tonnen betrage die Speisefischernte. Nur die vier- bis sechsjährigen Karpfen würden bis zum Frühjahr lebend an Fischhändler, Köche oder Privatleute in Mecklenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein verkauft. Jeder vierte Lewitzkarpfen von zwei bis drei Kilo Gewicht lande traditionell zu Weihnachten oder Silvester auf dem Tisch – im Ganzen gebacken, gebraten oder klassisch „blau“ gekocht.

Zum Abfischen eines Teiches braucht es mindestens sieben Männer, die das riesige Netz durchs flache Wasser ziehen. Meister Holger Mursch steht bis zur Hüfte im Karpfenteich und zählt prächtige Flossentiere in eine trichterförmige Waage. „Die sehen wirklich schön aus“, meint Fischerei-Ingenieur Stahl. Allerdings gebe es dieses Jahr ordentlich Verlust. Wegen des kalten Frühjahrs sei jeder Speisekarpfen rund ein Pfund leichter als in der vorigen Saison. Bei kühlen Wassertemperaturen hätten die Warmwasserfische weniger gefressen.

An der Qualität indes ändere dies nichts. Farbe und Form seien das A und O, meint Stahl, der schon seit 40 Jahren an den Lewitz-Teichen arbeitet. Immerhin hätten die naturnah, ohne Medikamente aufgezogenen Fische in diesem Sommer jeweils noch rund ein Kilo zugelegt. Nur die letzten Wochen sei kein Getreide mehr gefüttert worden. „Die gehen nüchtern in den Handel, nicht vollgefressen“, betont der Chef der Teichwirtschaft.

Die Vorlieben der Kunden variierten insbesondere bei den Größen der Fische. Hamburger wollten etwas kleinere, Mecklenburger eher die dicken Karpfen mit gut sichtbaren Gräten auf dem Teller. Nicht verkauft indes würden die sechs letzten Marmorkarpfen der Lewitz, sagt Stahl. Die Planktonfresser waren vor drei Jahrzehnten versuchsweise eingesetzt worden, fanden aber wegen ihrer vielen Gräten nie Abnehmer. Nun erhielten die rund 30 Pfund schweren Flossentiere ihr Gnadenbrot und dienten bei Teichfesten zu Anschauungszwecken.

 

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