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Fleisch-Betrug: Fünf Firmen aus MV betroffen

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erstellt am 11.Apr.2013 | 06:48 Uhr

Schwerin | Mogelpackung am Fleischtresen: Der neue Skandal um 50 000 Tonnen falschdeklariertes Fleisch aus den Niederlanden hat MV erreicht. Das möglicherweise illegal mit Pferdefleisch vermengte Fleisch sei aus dem Nachbarland an vier Betriebe in MV geliefert worden, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern in Schwerin mit. Ein weiterer Betrieb sei über einen Großhändler aus NRW mit dem beanstandeten Fleisch aus Holland beliefert worden. Das habe eine Schnellprüfung der Lieferwege ergeben. Gemeinsam mit den Lebensmittelkontrolleuren der Landkreise und kreisfreien Städte sollen in den nächsten Tagen die Lieferwege der möglicherweise falsch etikettierten Ware überprüft werden.

Mit dem neuen Fall nimmt der vor Monaten aufgedeckte, europaweite Betrug mit falsch deklariertem Pferdefleisch immer größere Ausmaße an. Der jetzt aufgeflogene niederländischer Großhändler soll nach Angaben der dortigen Behörden schon seit mehr als zwei Jahren Pferdefleisch falsch etikettiert und verkauft haben - auch nach Deutschland. Das wurde teilweise schon Anfang des Jahres aufgedeckt, als in mehreren Ländern Tiefkühl-Gerichte entdeckt wurden, in denen Pferdefleisch steckte, obwohl dies nicht angegeben war. Bei ihren Nachforschungen und flächendeckenden Tests stießen die niederländischen Kontrolleure laut EU-Kommission nun auf insgesamt 50 000 Tonnen Fleisch, deren Herkunft unklar ist. "Die niederländischen Behörden haben bestätigt, dass Pferdefleisch mit Rindfleisch vermischt wurde", sagte der Sprecher von Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg. Es sei eine "umfassende betrügerische Kette" aufgedeckt worden.

Was mit den Fleischbergen letztlich geschah, ist unsicher. Aus Vorsorge-Gründen haben die niederländischen Behörden den Angaben zufolge die komplette Produktion der vergangenen zwei Jahre für den Handel gesperrt und veranlasst, die Waren europaweit vom Markt zu nehmen. Gesperrt worden seien alle Auslieferungen zwischen Januar 2011 und Mitte Februar 2013. Der Großhändler Willy Selten lieferte den niederländischen Behörden zufolge Fleisch an rund 500 Betriebe, darunter 132 Betriebe in den Niederlanden und 370 in 16 EU-Staaten. Nach bisherigen Erkenntnissen sind in Deutschland 124 Betriebe betroffen, darunter Händler, Weiterverarbeiter sowie Metzgereien in allen Bundesländern - bis auf Bremen und das Saarland. Der größte Teil der 50 000 Tonnen Fleisch wurde den Behörden zufolge vermutlich längst gegessen. Doch in Tiefkühl-Produkten könnte noch immer Schummelfleisch stecken. Konkrete Hinweise auf Gefahren für Verbraucher gebe es aber nicht, betonte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU).


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