Flasche oder Hahn?

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08. Mai 2012, 08:01 Uhr

Gegen den Durst soll der Mensch Wasser trinken, am besten 1,5 Liter pro Tag. So lautet die gängige Empfehlung aller Fachgesellschaften. Doch welches Wasser ist empfehlenswert? Reicht es, seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf aus dem Wasserhahn zu stillen oder sollte man lieber zur Mineralwasserflasche greifen? "Für die tägliche Flüssigkeitsbilanz sind beide Wassersorten gleich gut", sagt die Bonner Diplom-Ökotrophologin Gabriela Freitag-Ziegler.

Theoretisch müsste heute kein Mensch mehr schwere Kisten schleppen und sich in Getränkemärkten mit Pfandautomaten ärgern: "Wir haben alle einen Wasserhahn zu Hause, aus dem Trinkwasser in geprüfter und einwandfreier Qualität fließt", sagt Freitag-Ziegler, die in Sachen Wasser auch für den deutschen aid infodienst in Bonn tätig ist. Doch das Leitungswasser schmeckt nicht jedem, denn ohne Kohlensäure wirkt es eher fad auf der Zunge. Mineralwasser hingegen prickelt dank der Kohlensäure und wirkt sehr frisch. "Zum geschmacklichen Aufpeppen von Leitungswasser kann man aber zum Beispiel einen Trinkwassersprudler benutzen oder Zitronenscheiben in die Wasserkaraffe geben", sagt die Expertin.

Wer Leitungswasser trinkt, profitiert von einem unschlagbaren Preis: Rund drei Euro muss der Verbraucher in Deutschland für 1000 Liter Trinkwasser bezahlen. Im Vergleich: Die gleiche Menge Mineralwasser aus dem Fachhandel kostet mindestens 230 Euro. Der zusätzliche Nutzen des sprudelnden Wassers, nämlich die Versorgung des Körpers mit lebenswichtigen Mineralien, sollte nicht überbewertet werden, meint Freitag-Ziegler. Allerdings sei es für Leistungssportler oder Menschen mit einer Laktoseintoleranz ratsam, Mineralwasser statt Leitungswasser zu trinken, wie sie betont "Hier empfiehlt sich eine Sorte mit viel Magnesium oder Calcium."

Mehr Marketing als Substanz steckt dagegen offenbar in Wasserflaschen mit vielversprechenden Etiketten: Tafelwasser zum Beispiel klinge nach einem besonders feinen Getränk, habe aber keinen besonderen Mehrwert, sagt Freitag-Ziegler: "Hier wird einfach nur Leitungswasser mit Mineralwasser oder Mineralsalzen angereichert." Auch die im Fachhandel erhältlichen Wellness-Wassersorten, die zum Beispiel mit dem Extra-Kick Sauerstoff werben, hätten keinen nennenswerten gesundheitlichen Zusatz-Nutzen für Verbraucher.

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