Jugendliche im Schweriner Landtag vertreten : Flammendes Plädoyer für Wahlalter 16

<fettakgl>Die ersten  Jugendlichen,</fettakgl> deren Meinung    bei einer Anhörung im Landtag gefragt war:  Ronja Hingst (links),   Keven Seidel und Paula Bergmann sind zwischen 16 und 19 Jahre alt.   <foto>Reinhard Klawitter  </foto>
Die ersten Jugendlichen, deren Meinung bei einer Anhörung im Landtag gefragt war: Ronja Hingst (links), Keven Seidel und Paula Bergmann sind zwischen 16 und 19 Jahre alt. Reinhard Klawitter

Sollten 16- und 17-Jährige in MV bei Landtagswahlen mitwählen dürfen? Linke und Grüne wollen es ihnen ermöglichen. Gestern waren Jugendliche zu einer Anhörung im Schweriner Landtag eingeladen worden.

svz.de von
13. März 2013, 09:07 Uhr

Schwerin | "Angenehm locker" sei der Umgangston gewesen, stellte Ronja Hingst erleichtert fest. "Erstaunlich gut", befand auch ihre Klassenkameradin Paula Bergmann die Atmosphäre im Plenarsaal des Schweriner Landtags. Die beiden Schülerinnen der Werkstattschule Rostock und Keven Seidel aus Brüel setzten sich gestern vor dem zuständigen Landtagsausschuss dafür ein, dass bei Landtagswahlen bereits 16-Jährige, also Jugendliche in ihrem Alter, wählen dürfen. Noch nie hatte der Landtag so junge "Sachverständige" eingeladen. Paula bemerkte zufrieden, wie an ihrer Schule hätten die Abgeordneten allen Experten aufmerksam zugehört. Sie hatte Getuschel befürchtet oder gar Zwischenrufe. Mit der 19-jährigen Katharina Baganz teilten sie sich ihre Redezeit, und begründeten, warum sie den Antrag der Linken und der Grünen unterstützen, das Wahlalter so wie bei den Kommunalwahlen auf 16 Jahre zu senken: Weil Jugendliche in der Bildungspolitik mitreden sollten, weil sie sehr wohl Parteiprogramme kritisch lesen können, weil viele Jugendliche in Familien und Vereinen bereits Verantwortung übernehmen, weil sie bei manchen Themen besser informiert sind als manche Erwachsene. Gut vorbereitet und mit fester Stimme trugen sie ihre Argumente.

Vor einem Jahr hatten die Jugendlichen beim Projekt "Jugend im Landtag" mitgemacht - und bereits damals über das Wahlrechtsalter diskutiert. Wer mit 16 wählen darf, ist stärker motiviert, sich politisch für seine Belange einzusetzen findet Ronja. In der Schule sind Deutsch, Geschichte und Biologie ihre Lieblingsfächer. Und sie interessiert sich seit längerem für Politik, und "für die Dinge, die mich angehen". Mit drei großen Geschwistern habe sie schon manche Diskussionen geführt. Sie glaubt, vor dem Landtags-Ausschuss für viele Jugendliche gesprochen zu haben, zumindest viele ihrer Freunde wollten mit 16 wählen. "Politik interessiert mich ungemein", sagt Keven. Als er 13 war, hat er sich bereits Parteiprogramme durchgelesen. Inzwischen versucht er, soviel Kurse und Projekte wie möglich zu besuchen. Demnächst nimmt er an einem Uno-Planspiel teil. Bei der Anhörung hat er von den anderen Experten "einige neue Argumente" gehört und fühlt sich in seiner Meinung bestätigt.

Ob er für die Mehrheit der Jugendlichen spreche, wisse er aber nicht. Eine Abgeordnete wollte wissen, ob es für 16-Jährige auch möglich sein sollte, für den Landtag zu kandidieren. Schlagfertig, aber nicht ganz ernst gemeint, antwortete Ronja, sie habe eigentlich schon genug mit ihren Hausaufgaben zu tun. Ihr sei wichtig, überhaupt wählen zu dürfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen