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Brodkorb über das Heimatprogramm MV : Fischertracht und Heimatliebe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kultusminister in Fischertracht im Kabinett. Minister ließen neues Heimatprogramm passieren

von
erstellt am 27.Jul.2016 | 08:00 Uhr

Schwerin Heimatkisten in Kitas, eine Landeshymne für MV, das Abitur auf Platt und Trachten in Gaststätten – das Kabinett stimmte gestern einem 7,5-Millionen-Euro schweren Heimatprogramm von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) zu. Er selbst kam in Fischertracht in die Ministerrunde. Max-Stefan Koslik stellte ihm Fragen.

Herr Brodkorb, die CDU macht im Wahlprogramm auf Heimat, die Linke macht auf Heimat, sagen Sie jetzt „Ick bün all dor“?
Auf jeden Fall ist unsere Heimat „all dor“. Seit etwas mehr als zwei Jahren arbeiten wir jetzt gemeinsam mit dem Heimatverband und dem Niederdeutschbeirat an einem Landesheimatprogramm. Auf meiner Heimattour im letzten Jahr habe ich viele Anregungen für das jetzt vorliegende Programm sammeln können. Mir was es wichtig, das noch in dieser Legislatur zum Abschluss zu bringen. Und das haben wir heute geschafft. Mit 7,5 Mio. Euro bis zum Jahr 2020 liegt nun ein stattliches Förderprogramm vor.

Mal ernsthaft, warum ein Heimatprogramm jetzt, im Koalitionsvertrag stand davon nichts…
Im Koalitionsvertrag stand auch nichts von der Verbeamtung der Lehrkräfte, von 60 Mio. Euro zusätzlich für die Schulen oder 20 Mio. Euro für die Hochschulen. Trotzdem haben wir das gemacht, weil es sinnvoll war. Politik muss bereit sein, aktuelle Herausforderungen anzunehmen und sollte sich nicht auf einem Stück Papier ausruhen, auch wenn es „Koalitionsvertrag“ heißt.

Was steht im Programm, was es nicht schon gab?
Das ist eine ganze Menge. Künftig wird es zum Beispiel Niederdeutsch als reguläres Unterrichtsfach geben - an sechs Schulen bis zum Abitur. An der Universität Greifswald wird ein Zentrum zur Fortbildung von Erziehern und Lehrern in Niederdeutsch eingerichtet. Alle Kindertagesstätten werden eine „Heimatkiste“ bekommen - mit Kinderbüchern über unser Land, traditionellen Spielen, Materialien zur Niederdeutschpflege sowie Musik-CDs für das Singen und Tanzen. Es soll auf Vorschlag von Harald Ringstorff eine Landeshymne für alle Mecklenburger und Vorpommern entwickelt werden. Schließlich planen wir ein „Heimatbuch“ als Begrüßungsgeschenk für alle, die neu in unser Land ziehen. Und jedes Jahr stehen Mittel bereit, um die Heimatpflege zu modernisieren, um sie auch jüngeren Menschen schmackhaft zu machen. Allein im nächsten Jahr sind dafür bis zu 300 000 Euro vorgesehen.

Und was ist das mit den Trachten?
Ein Projekt zur Heimatpflege In der Mode lassen wir Tradition auf Moderne treffen. Gemeinsam mit dem Landestourismusverband und dem Heimatverband werden wir einen Modewettbewerb ausrichten. Traditionelle Trachten werden neu gedacht und an den Zeitgeist angepasst. Die Idee dahinter: gastronomische Betriebe und Hotels könnten unsere Gäste künftig in neuer Dienstkleidung begrüßen.

Was bedeutet für Sie Heimat?
Heimat ist für mich der Landstrich, in dem ich mich geborgen fühle. Und es sind die Menschen, die hier leben, mit ihrer ganz eigenen Mentalität. Mir ist das vor allem aufgefallen, als ich als Kind zwischenzeitlich von Rostock nach Österreich gezogen bin. Ich hatte immer eine Sehnsucht nach unserem Land mit seinem hohen Himmel und der Weite des Meeres. Ich wollte wieder Salz und See schmecken und riechen. Und auch die menschliche Prägung fehlte mir: der etwas unterkühlt wirkende, aber direkte und vor allem verlässliche Mecklenburger. Menschen ohne Schnickschnack eben.

Sie kamen heute in einer Tracht ins Kabinett, wissen Sie, was sie bedeutet?
Ich durfte letztes Jahr mit der Warnemünder Trachtengruppe tanzen und habe das in diesem Jahr wieder vor. Die herzensgute Vereinsvorsitzende, Karin Scarbarth, hat mir allerdings aufgetragen, in diesem Jahr gefälligst in Tracht zu erscheinen. Seit letzter Woche habe ich sie nun und trage sie etwas ein. Das kann ich sowieso nicht verstehen: Ob Sie nach Österreich oder Bayern schauen, überall wird dort ganz selbstverständlich Tracht getragen, häufig in etwas modernisierter Form, aber vor allem auch von jungen Leuten. Uns fehlt offenbar das Selbstbewusstsein, zu unseren Traditionen zu stehen. Daher erwarte ich mir auch viel von unserem Trachtenprojekt. Als Rostocker trage ich natürlich die Warnemünder Fischertracht. Das war um 1840 sozusagen die Sonntagsuniform der Fischer. Und sie ist ziemlich bequem, wenn auch dieser Tage vielleicht etwas warm.
 

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