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Kutterverband warnt vor dem Aus : Fischern droht Fangverbot

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Ein offenbar vom Bundesumweltministerium geplantes Verbot der Schlepp- und Stellnetzfischerei in den Natura-2000-Gebieten der Ausschließlichen Wirtschaftszone kommt einem Berufsverbot gleich.

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erstellt am 24.Jun.2011 | 06:07 Uhr

Stralsund | Den von Quotenkürzungen belasteten deutschen Ostseefischern droht neues Ungemach durch mögliche Fangbeschränkungen in Meeresschutzgebieten. Ein offenbar vom Bundesumweltministerium geplantes Verbot der Schlepp- und Stellnetzfischerei in den Natura-2000-Gebieten der Ausschließlichen Wirtschaftszone käme einem Berufsverbot gleich, sagte der Chef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuss, gestern auf dem Fischereitag in Stralsund. Vertreter des Bundesamts für Naturschutz (BfN) bestätigten entsprechende Pläne, die am 13. Juli in Berlin beraten werden sollen.

Betroffen wären vor allem die Pommersche Bucht mit der Oderbank, der Adlergrund, der Fehmarnbelt, die Kadetrinne sowie die westliche Roenne-Bank, sagte Kahlfuss. Das seien Seegebiete, aus denen die einheimischen Fischer einen Großteil ihrer Fänge bezögen. Demnach soll zum Beispiel die Oderbank gänzlich für den Fischfang geschlossen werden, und im Adlergrund soll nur noch von Januar bis Oktober gefischt werden dürfen.

Mitsprache gefordert

"Wenn solche totalen Fangverbote kommen, dann brauchen wir über Quotenerhöhungen und Hilfsmaßnahmen gar nicht mehr zu reden", sagte Kahlfuss. Dann würde es das Fischereigewerbe an der ostdeutschen Küste bald nicht mehr geben. Kahlfuss forderte ein Mitspracherecht für die Fischer bei der Festlegung von Managementplänen in maritimen Schutzgebieten.

"Zum Schutz von Seevögeln, Schweinswalen und Robben sollen die Fischer vor allem auf den Einsatz von Grundnetzen verzichten", schlug BfN-Meeresexperte Christian Pusch vor. Zudem sollte in Vogelschutzgebieten wie der Pommerschen Bucht der Einsatz von Stellnetzen verboten werden. Alternativ könne mit neuartigen Fischfallen Dorsch gefangen werden. Die von den deutschen Küstenfischern abgelehnte Fangtechnologie bewähre sich erfolgreich in Schweden. Auch dreijährige Tests des Rostocker Vereins Fisch und Umwelt mit Heringsködern in Fischfallen seien zufriedenstellend.

Der EU-Abgeordnete Werner Kuhn (CDU) warnte vor vorauseilenden Bewirtschaftungsplänen für Meeresschutzgebiete. Zugleich sprach er sich für erhöhte Beikostenregelungen für Fischereibetriebe aus. Als nicht akzeptabel bezeichnete Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Vorschläge für eine erneute Kürzung der Heringsquote für 2012 um drei Prozent. Damit müssten die ostdeutschen Fischer, die im vergangenen Jahr 9159 Tonnen Hering anlandeten, auf weitere 200 Tonnen verzichten. Backhaus verwies darauf, dass die Fangmenge von der EU seit 2007 bereits um 70 Prozent gekürzt worden sei. Zugleich sei die Zahl der hauptberuflich tätigen Küstenfischer um 20 Prozent zurückgegangen. Backhaus kündigte massiven Widerstand gegen weitere Einschnitte an.

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