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Durchwachsenes Fischereijahr : Fischer steuern aus der Krise

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Steigende Fangquoten lassen die Küstenfischer wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Doch Auflagen setzen den Fischern zu. Als Ausgleich für das Gaskraftwerk in Lubmin befürchten sie ein Fangverbot im Bodden.

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erstellt am 13.Dez.2012 | 08:10 Uhr

Sassnitz | Die Kutter- und Küstenfischer schauen auch 2012 auf ein durchwachsenes Fischereijahr zurück, steuern aber langsam aus der Krise heraus. „Ersten Verbandsschätzungen zufolge werden die Erlöse aus der Fischerei auf dem Vorjahresniveau liegen, wenn wir Glück haben leicht darüber“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuss. Die Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern erzielte 2011 Erlöse von rund 10 Millionen Euro. Die Mitglieder des Landesverbandes trugen zu diesem Ergebnis rund 5,4 Millionen Euro bei.

Während die Heringsfischerei 2012 gute Fänge und Preise gebracht habe, konnte die Dorschquote nicht abgefischt werden. Zudem waren die Dorschpreise sehr niedrig, wie Kahlfuss sagte. Die Fischer bemängelten in diesem Jahr vor allem die schlechte Qualität des Dorsches. „Die Tiere sahen teilweise aus wie Dreikantfeilen“, sagte der Chef der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt. „Der Fangaufwand war hoch, weil sich der Dorsch nicht in seinem angestammten Gebiet aufhielt.“ Einige Fischer seien deshalb im Hafen geblieben, weil die Dieselpreise höher gewesen seien als die zu erwartenden Erlöse. In Freest holten die Fischer nur 60 Prozent der ihnen zugeteilten Fangmenge aus der Ostsee. Nach vier Jahren mit starken Senkungen waren 2012 die Fangmengen für Hering erstmals um 30 Prozent angehoben worden. Im kommenden Jahr sollen sie um weitere 23 Prozent erhöht werden. Die Fischer schauten zwar wieder zuversichtlicher in die Zukunft, sagte Kahlfuss. Er warnte aber vor überzogenen Erwartungen.

Größte Sorge bereite den Fischern die Einschränkungen durch zunehmende Umwelt- und Naturschutzauflagen. Der Verband kritisierte, dass als Ausgleich für den Bau eines Gaskraftwerks in Lubmin die Stellnetzfischerei im Monat April im Greifswalder Bodden verboten werden soll. „Damit wäre die Heringsfischerei in diesem Gebiet tot“, sagte Kahlfuss. Im laufenden Genehmigungsverfahren werde der Verband deshalb Widerspruch einlegen. Zudem sei weiter unklar, ob Natur- und Vogelschutzgebiete in der Ostsee - wie die Oderbank - wegen der angeblichen Gefahr für Seevögel und Meeressäuger für die Fischerei gesperrt werden.

Den Fischern fehlt weiter der Nachwuchs. In diesem Jahr haben nach Verbandsangaben zehn Fischer ihren Beruf aufgegeben - vorwiegend aus Altersgründen. Damit wird es in Mecklenburg-Vorpommern erstmals weniger als 290 Küstenfischer geben. Trotzdem hofft der Verband auf eine Stabilisierung der Zahlen. „Die Fangprognosen für die kommenden Jahre sehen gut aus. Die Erlössituation ist wieder kalkulierbar“, sagte Schütt.

Im kommenden Jahr tritt die EU-Fischereireform in Kraft. Ziel ist es, die europäischen Fischbestände auf Dauer mit langfristigen Bewirtschaftungsplänen schonender zu befischen. Die Fischer in MV begrüßen grundsätzlich den Ansatz, allerdings sehen sie Probleme bei der Ausgestaltung der Vorschriften. Neben dem Rückwurfverbot kritisieren sie das geplante Strafsystem für Fischer. Danach könnten Fischer bestraft werden, die das Gewicht ihrer gerade gefangenen Fische vor dem Wiegen falsch geschätzt haben. „Damit kann ein Fischer sehr schnell sein Patent verlieren“, sagte Schütt.

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