Grüne verlangen Aufklärung : Fische in der Peene sterben weiter

Naturführer Frank Götz-Schlingmann zeigt in der Peene auf ein Abwasserrohr vom Gelände der Zuckerfabrik Anklam.
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Naturführer Frank Götz-Schlingmann zeigt in der Peene auf ein Abwasserrohr vom Gelände der Zuckerfabrik Anklam.

Noch immer sterben Fische in der Peene - und es stinkt. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald sucht Helfer für das Einsammeln der Kadaver und behält sich Schadenersatzforderungen vor. Die Natur braucht vermutlich Jahre, um sich von dem Schaden zu erholen.

svz.de von
03. September 2015, 21:00 Uhr

Nach einem Leck in der Bioethanol-Anlage der Zuckerfabrik Anklam geht das Fischsterben in der Peene weiter.

Urlauber, die auf der Peene - dem „Amazonas des Nordens“ - Bootstouren unternahmen, berichteten von stinkenden Schilfgürteln, die voller toter Fische seien. Bootsführer berichteten am Donnerstag von nach Luft ringenden Fischen in der Peene in Richtung Karniner Brücke, wie Landkreissprecher Achim Froitzheim sagte. Damit erstrecke sich die Alkoholwolke auf rund sechs bis acht Kilometer von der Einleitstelle in beide Richtungen der Peene.

Tausende Fische - darunter große Hechte, Zander, Barsche und auch Aale - waren seit dem Wochenende in der Peene verendet. Ursache ist offenbar ein Sauerstoffmangel, nachdem Unmengen Ethanol in die Peene geflossen sind. Die Zuckerfabrik hatte eine Gewässerverunreinigung eingeräumt. Fachleute sprechen von bis zu Tausend Kubikmeter Ethanol, was einer Menge von einer Million Liter entspricht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt trotz des Eingeständnisses der Zuckerfabrik weiter wegen Gewässerverunreinigung gegen Unbekannt.

Bislang gebe es nur ein vorläufiges Ergebnis zu einem der drei Gutachten, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zum Inhalt machte die Behörde keine Angaben. Neben einem Wassergutachten hatten die Ermittler eine forensisch-toxikologische Untersuchung der Fische sowie ein technisches Gutachten beauftragt.

Der Landkreis lässt seit Donnerstag das Rohrsystem um die Zuckerfabrik mit Kameras überprüfen, um weitere Lecks ausschließen zu können, wie Froitzheim sagte. „Wir behalten uns Schadenersatzforderungen an den Verursacher vor.“ Nach Einschätzung des Verbandes der Binnenfischer wird die Verseuchung der Peene im Raum Anklam durch Bioethanol für ein bis drei Jahre zu einem geringeren Fischbestand führen. „Einen nachhaltigen, dauerhaften Schaden erwarten wir aber nicht“, sagte der Präsident des Landesverbandes der Binnenfischer, Ulrich Paetsch, der Deutschen Presse-Agentur. In der Regel habe sich die Natur nach drei Jahren regeneriert. Fische würden aus Altarmen und dem Stettiner Haff wieder einwandern und die Peene neu besiedeln.„Für ortsansässige Betriebe kann die Situation jetzt dramatisch sein“, sagte Paetsch weiter. Er empfehle den ortsansässigen Betrieben, die Fangausfälle von drei Jahren dem Verursacher in Rechnung zu stellen. Zu den direkten Fangausfällen komme der Imageschaden. Es sei zu befürchten, dass Fische aus der Peene eine Zeit lang schwer vermarktbar sind.

Der Kreis sucht unterdessen freiwillige Helfer, die beim Einsammeln der Kadaver helfen. Bislang konzentrierte sich das Einsammeln auf das Stadtgebiet von Anklam. Anwohner fordern inzwischen professionelle Hilfe durch Technisches Hilfswerk oder Entsorgungsfirmen. „Wir sammeln selber ein. Aber es ist nicht zu schaffen“, sagte Antje Enke von der Tourismusorganisation „Abenteuer Flusslandschaft“. Sie berichtete von „mörderischem Gestank“ und Verwesungsgeruch. Am Donnerstag ging die erste Ladung toter Fische in die Tierkörperbeseitigungsanlage Malchin.

Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ursel Karlowski, bezeichnete das Fischsterben im EU-Vogelschutz- und FFH-Gebiet als „gigantischen Umweltskandal“. Die Grünen verlangen laut Karlowski mit einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung Aufklärung über die Ursache und Umfang des Schadens und Verantwortlichkeiten. „Wir wollen genau wissen, ob die Genehmigungen für den Betrieb der Bioethanolanlage an Auflagen gebunden waren und ob diese eingehalten wurden“, sagte Karlowski.

Zudem will die Grünen-Agbeordnete wissen, ob ein regelwidriges Rohrsystem installiert wurde.

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