zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 01:20 Uhr

Prozess : Fischbrötchen-Krieg in Stralsund

vom

Im Prozess um den Fischbrötchen-Krieg in Stralsund schweigen die drei Angeklagten zu den Tatvorwürfen. Den Männern wird vorgeworfen, für einen Bekannten Konkurrenten durch Brandanschläge eingeschüchtert zu haben.

svz.de von
erstellt am 03.Apr.2013 | 06:10 Uhr

Stralsund | Der "Tatort" wirkt auf den ersten Blick wie eine maritime Postkartenidylle: Fischkutter liegen im Stadthafen von Stralsund, Möwen ziehen kreischend ihre Runden über den schwimmenden Verkaufshops - in der Hoffnung auf den Rest eines Fischbrötchens. Doch hinter den Kulissen tobt offenbar ein erbitterter Verteilungskampf. Drei Männer müssen sich seit gestern vor dem Stralsunder Landgericht verantworten. Im sogenannten Stralsunder Fischbrötchen-Krieg sollen sie im Auftrag Konkurrenten eingeschüchtert haben und Vize-Oberbürgermeister Heinz-Dieter Hartlieb - mittelbar zuständig für die Vergabe der lukrativen Konzessionen - mit einem Schlagstock angegriffen haben. Hartlieb ist seit dem Übergriff im Juli 2012 krankgeschrieben und steht unter Polizeischutz.

Doch das reichte offenbar noch nicht: Im August 2012 soll ein Angeklagter im Bauamt eine Bombenattrappe mit 400 Gramm TNT-Sprengstoff deponiert haben - mit einem Drohbrief gegen den Politiker. "Hartlieb, du korruptes Schwein. Verpiss dich aus unserem Amt", zitiert der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklageschrift aus dem Schreiben. Im Gerichtssaal stoßen die Richter auf ein Kartell des Schweigens. Über ihre Anwälte ließen die drei in U-Haft sitzenden und einschlägig vorbestraften Männer erklären, dass sie sich zu den Vorwürfen der gefährlichen Körperverletzung und Brandsetzung nicht äußern wollen. 47 Zeugen hat das Gericht geladen und 8 Prozesstage anberaumt - um den vermeintlichen Fischbrötchen-Krieg aufzuklären. Die Ermittler vermuten, dass die drei Männer für einen Bekannten, dessen Freundin im Fischverkaufskutter-Geschäft tätig ist, ein Auto und den auf einer Werft liegenden Verkaufskutter "Störtebeker" eines Konkurrenten in Brand gesteckt haben. Der Unternehmer plante den Einstieg in den Verkauf von Brötchen mit Matjes und Bismarck-Heringen. Auch das Hotel des Mannes war Ziel eines Anschlags. Zusammen mit dem Freund der langjährigen Fischkutter-Betreiberin soll einer der Angeklagten Gläser mit übelriechender Buttersäure ins Foyer geworfen haben. Gegen den Bekannten wird ebenfalls ermittelt. Seit 2008 gilt ein Liegeplatz am Stralsunder Stadthafen als äußerst attraktive Einnahmequelle. Mit der Eröffnung des Ozeaneums strömen Hunderttausende Touristen in die zuvor verwaiste Gegend. Die Stadt hatte Ende 2011 die Konzessionen für den Fischbrötchenverkauf neu vergeben. Auch Unternehmer, die bislang noch keinen Verkaufskutter im Hafen betrieben, konnten sich bewerben. Die Touristen, die zum Ozeaneum schlendern, bekommen von dem Streit nichts mit. Die Fischverkäufer demonstrieren Gelassenheit. "Hier ist genügend Platz für uns alle", sagt eine Verkäuferin. Auch die Stadt will sich nicht äußern. Ein Urteil wird am 22. Mai erwartet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen