Wirtschaft MV : Firmen machen glänzende Geschäfte

Die Wirtschaft in MV boomt
Die Wirtschaft in MV boomt

Umfragen ergeben: Die Wirtschaft in MV steckt in einer Boomphase. Gewerkschaften fordern für Arbeitnehmer die Teilhabe am Erfolg.

svz.de von
24. Mai 2017, 05:00 Uhr

So gut liefen die Geschäfte in der Wirtschaft in MV seit Jahrzehnten nicht: Gute Geschäftslage und noch bessere Erwartungen – der so genannte Konjunkturklimaindex hat ein neues Allzeithoch erreicht. „Der Wirtschaft geht es anhaltend gut wie schon lange nicht mehr!“, erklärte Jens Rademacher, Hauptgeschäftsführer der IHK Rostock am Dienstag bei der Vorstellung der Frühjahrskonjunkturumfrage. Auch in Westmecklenburg: „Die Wirtschaft in Westmecklenburg und in Deutschland befindet sich in einer konjunkturellen Boomphase“, stellte Siegbert Eisenach, Chef der IHK Schwerin klar. Drei von fünf Unternehmen seien mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Ein Viertel der Unternehmen rechne, dass sich die Situation in den kommenden Monaten sogar noch verbessern werde. „Die Wirtschaft in Westmecklenburg läuft insgesamt weiter ordentlich rund“, meint Eisenach. Vieles spreche dafür, dass 2017 wirtschaftlich ein sehr gutes Jahr für die Unternehmen und Menschen in der Region werde, prognostiziert IHK-Chef Rademacher.

Ihre Erwartungen knüpfen die Firmen vor allem an den Export: Mehr als ein Drittel der Unternehmen in Westmecklenburg rechnen mit günstigeren Ausfuhrgeschäften – neun Prozent mehr als vor einem Jahr. Zudem will die Wirtschaft die Investitionen ankurbeln: Mehr als ein Drittel der Firmen im Rostocker Kammerbezirk wolle die Kapazitäten erweitern. Damit macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt Optimismus breit: In Westmecklenburg wollen 18, im Ostteil des Landes 15 Prozent der Betriebe ihre Belegschaft aufstocken.

Die glänzenden Geschäfte wecken Begehrlichkeiten: Es sei Zeit für die Teilhabe am Erfolg, forderte Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Küste höhere Löhne. In den Betrieben gebe es eine hohe Unzufriedenheit, auch wegen der längeren Arbeitszeiten im Osten. Viele Arbeitnehmer hätten über Jahrzehnte Reallohnverluste hinnehmen müssen, drängte Uwe Polkaehn, Chef des DGB Nord, auf Zugeständnisse. Hauptursache sei die Weigerung vieler Arbeitgeber, Tarifverträge abzuschließen. Polkaehn: „Ihre Gewinne entstehen, weil sie ihre Leute auspressen wie Zitronen.“

Auf den wachsenden Druckreagieren die Unternehmen gereizt: Höhere Löhne könnten nur gezahlt werden, wenn die Firmen in MV das selbst erwirtschaften und auf eigenen Füssen stünden, sagte Sven Müller, Chef der Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VUMV) gestern. In vielen Betrieben gebe es dafür aber keine Spielräume. MV habe viele kleine Unternehmen. „Für die macht die Bindung an einen Flächentarif keinen Sinn“, hatte Thomas Lambusch, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände zu Jahresbeginn klargestellt. Stattdessen üben sich die Firmen in Tarifflucht: Vor kurzem erst feierte sich der tarifungebundene Allgemeine Verband der Wirtschaft Norddeutschlands (AGV NORD) seine 440 tariffreien Mitgliedsfirmen. Schon bald solle die 500er-Marke erreicht werden, hieß es.  

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