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Kostenüberschreitungen von 1,96 Millionen Euro : Finanzskandal: Nordkirche versenkt Millionen

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Die vor neun Monaten gegründete evangelisch-lutherische Kirche in Norddeutschland hat ihren ersten Finanzskandal: Baumaßnahmen haben von 2010 bis 2012 zu Kostenüberschreitungen von 1,96 Millionen Euro geführt.

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2013 | 08:01 Uhr

Schwerin | Nach der großen Party kommt der große Kater: Nur einen Tag nach der Wahl ihres Landesbischofs muss sich die Nordkirche mit ihrem ersten Finanzskandal auseinandersetzen - einem Erbe aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Bei Baumaßnahmen an der Evangelischen Jugend-, Freizeit- und Bildungsstätte Koppelsberg bei Plön hat es nach Angaben von Landesbischof Gerhard Ulrich in den Jahren 2010 bis 2012 Kostenüberschreitungen von 1,96 Millionen Euro gegeben. Insgesamt müsse man mit einem Abschreibungsbedarf von "eher mit mehr als mit weniger als 4,0 Millionen Euro" rechnen.

Ans Licht kam der Skandal im Sommer 2012: Ein Dezernent warnte die Kirchenleitung vor einer wirtschaftlichen Schieflage im für die Bewirtschaftung der Jugendbildungsstätte zuständigen Dienstleistungsbetrieb. Es folgten Sonderprüfungen, Sitzungen von Ausschüssen und der Kirchenleitung. "Die Situation ist gruselig und wir waren in bestimmten Situationen fassungslos", sagte das Mitglied der vorläufigen Kirchenleitung der Nordkirche, Margrit Semmler. "Es geht um Leitungsversagen, auch im Landeskirchenamt." Alleingänge des Leiters des Dienstleistungsbetriebs und ein "strukturelles Versagen" im kirchlichen Gebäudemanagement macht die Kirche heute als Ursache aus. "Das Fehlen von Bauplänen und eines von Gremien beschlossenen Konzeptes führte zu unvorhersehbaren und spontanen Umbaumaßnahmen", räumte Ulrich vor der Synode ein. Die Wirtschaftlichkeit der Baumaßnahmen sei vor Baubeginn nicht beachtet worden. Und die Landeskirche hätte gewarnt sein können: Rund 100 000 Euro teure Gutachten externer Beratungsfirmen, die das Baumanagement kritisierten, seien "nicht oder nur in unwesentlichen Teilen umgesetzt wurden."

Vor der Synode kündigte Ulrich Konsequenzen an: Dem Leiter des Dienstleistungsbetriebs wurde gekündigt, gegen den Chef des Gebäudemanagements läuft ein internes Ermittlungsverfahren. Geplant seien eine Verbesserung des internen Controllings und eine Neuaufstellung des Gebäudemanagements. Der Ribnitzer Synodale Lutz Decker ist trotzdem enttäuscht: "Ich dachte, dass wir mit der Fusion zur Nordkirche eine professionelle Kirchenverwaltung erleben."

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