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Mecklenburg-Vorpommern

21. August 2017 | 10:30 Uhr

Feuerwerk am Heiligen Abend

vom

Buenos Aires | Am zweiten Advent hab ich immer noch nicht das Gefühl, dass bald Weihnachten ist. Dies jedoch aus einem einfachen Grund: Ich habe ihn schlichtweg vergessen. Erst zwei Tage später, als wir bei 30 Grad im Schatten an unserem frisch eröffneten Pool sitzen, dämmert es uns langsam: Dieses Jahr werden wir Weihnachten hier verbringen, bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Wir bemühen uns tatsächlich, doch trotz Plätzchenbackens und einem Adventskranz aus allem, was wir an nadelähnlichem Gestrüpp finden konnten, kommt keine Stimmung auf.

Dennoch wird das Fest der Liebe in Argentinien ähnlich wie in Deutschland gefeiert - verständlicherweise, denn sowohl der Katholizismus als auch die Weihnachtstradition kommt ursprünglich aus dem europäischen Raum. Adventskränze sind zwar unbekannt, aber ein Weihnachtsbaum - wenn auch meist aus Plastik - gehört definitiv in das auch ansonsten geschmückte Wohnzimmer. Die ganze Familie kommt am Heiligabend zusammen und der Weihnachtsmann, "Papa noel", bringt Punkt Mitternacht die Geschenke. "Dadurch, dass hier Sommer ist, spielt sich natürlich viel mehr im Freien ab", sagt Carolina, die mit ihrer Familie auch auf unserem Biohof lebt. "Hier ist es also üblich, schon am heiligen Abend Feuerwerke zu zünden und bis tief in die Nacht Wein trinkend draußen zu sitzen."

Stollen gibt es nicht, dafür "Pan dulce", ein süßes Brot. Diese Tradi tion hat ihre Wurzeln vermutlich in der italienischen Kultur. Auch die Weihnachtsgans ist den Argentiniern fremd: Wie an allen Tagen im Jahr isst man das speziell zubereitete und für dieses Land typische Grillfleisch, "Asado".

Auf unserem Bauernhof sind eigene Gepflogenheiten an der Tagesordnung. Vor einigen Tagen zogen wir alle ein Zettelchen, auf dem einer von etwa dreißig Namen zu lesen war. Für diese Person sind wir der "Amigo invisible", der unsichtbare Freund. Der unsichtbare Freund bringt seinem Zettel-Partner am Heiligabend ein kleines Geschenk mit, und der Beschenkte wiederum muss dann erraten, von wem die Überraschung stammt. Die Leute, die dieses Weihnachtswichteln schon seit einigen Jahren mitmachen, haben uns mit flehender Miene nur eine Bedingung gestellt: "Bitte bloß keine kreativen Kunstwerke aus Akazien, Blümchen, kleinen Steinchen und allem, was man sonst noch so auf dem Hof findet."

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von
erstellt am 21.Dez.2011 | 12:21 Uhr

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