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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 11:51 Uhr

Manuela Schwesig : Feuerprobe in Vorpommern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwesig setzt Zeichen: Erster Termin führt nach Vorpommern. Dort gab es einen herzlichen Empfang – aber auch Kritik

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 20:55 Uhr

Egal ob als Bundes- oder als Landespolitikerin: Bei so gut wie jedem Besuch in Vorpommern wurde Manuela Schwesig bisher mit den Worten begrüßt: „Schön, dass Sie auch endlich einmal bei uns vorbeischauen“ – selbst dann, wenn sie gerade erst am Vortag zum letzten Mal im östlichsten Landesteil gewesen war, wie die neue Ministerpräsidentin gern erzählt. Dass die SPD-Politikerin ihren ersten Arbeitstag im neuen Amt in Vorpommern verbrachte, war daher in erster Linie ein Signal: In der Landesregierung genießt dieser Landesteil oberste Priorität.

Auf dem Besuchsprogramm Schwesigs standen heute ein Treffen mit dem Stralsunder Traditionsverein, der die Urkunde als 1000. gefördertes Projekt der Ehrenamtsstiftung erhielt. In Wusterhusen (Vorpommern-Greifswald) traf sie sich mit Vertretern des Stahlbauers HAB. Danach zog es Schwesig in den Wahlkreis des Vorpommern-Staatssekretärs Patrick Dahlemann (SPD) zu einem Bürgerforum nach Torgelow.

Und das Interesse war riesengroß. 180 bereitgestellte Stühle im „Haus an der Schleuse“ reichten bei weitem nicht aus, auch nachdem weitere 20 in den Saal getragen wurden, mussten etliche Gäste stehenbleiben. Für Manuela Schwesig sicher ein gutes Omen. Sie habe schon in den ersten Tagen im Amt der Bundesfamilienministerin ein Forum in Torgelow besucht, erzählt sie. Daran wolle sie anknüpfen: „Ich hoffe, dass Torgelow mir Glück bringt.“ Von dem Abend erhoffe sie sich zuallererst Anregungen für ihre künftige Arbeit – auch wenn es natürlich dafür bereits Prämissen gebe: gute und gut bezahlte Arbeit, Unterstützung für Familien und sozialer Zusammenhalt stehen bei ihr ganz obenan, betonte die Ministerpräsidentin.

Themen, die offenbar auch viele Bürger in Vorpommern bewegen. Denn von den Fragen, die auf Manuela Schwesig niederprasselten, bezogen sich viele genau darauf: Wie kann das Bildungsniveau der Kinder im Land erhöht werden? Welche Perspektiven haben Produktionsschulen – und warum gibt es nicht mehr davon im Land? Warum wird Kinder- und Jugendarbeit in Mecklenburg-Vorpommern mit nicht mehr als 5,11 Euro pro Kopf gefördert? Wie wollen Sie Berufe in der Pflege aufwerten? Was tut Ihre Regierung, damit junge Leute hier in der Region eine berufliche Perspektive haben? Und was tut sie gegen Langzeitarbeitslosigkeit?

Etliche Fragen bezogen sich auf die Infrastruktur. Warum geht der Breitbandausbau nicht schneller voran? Warum sind unsere Landstraßen so schlecht, dass dort teilweise nicht mal mehr der Schulbus fährt? Was sollen uns Gemeindefusionen bringen? Warum wird beim Ausbau der Windkraft nur auf den wirtschaftlichen Aspekt abgestellt, aber außer Acht gelassen, dass Umwelt und Natur leiden?

 Wer aus der Atomenergie ausgestiegen sei, müsse nach Alternativen suchen, so die Ministerpräsidentin auf diese Frage. „Wie würden Sie es sich denn wünschen: Gar keine Windenergie mehr?“, lautete ihre Gegenfrage. Der verblüffte Fragesteller muss einen Moment nachdenken: Mehr Augenmaß bei der Bewilligung, größere Abstände und vor allem eine echte Bürgerbeteiligung bei der Entscheidung über solche Vorhaben wünsche er sich.

Auch bei der Frage, warum MV neben Hamburg das einzige Bundesland ohne Nachbarrecht sei, hakt die Ministerpräsidentin nach: „Nennen Sie doch mal ein Beispiel, wo sich Nachbarn nicht im direkten Gespräch einigen können?“

Ein Stil, der den gesamten Abend prägt. „So oft den Ball zurückzuspielen und nachzufragen, das habe ich noch von keiner Politikerin erlebt“, resümiert Patrick Dahlemann nach anderthalbstündiger Diskussion – und erntet dafür geradezu frenetischen Applaus. Die Schlange derjenigen, die im Anschluss das persönliche Gespräch mit der neuen Ministerpräsidentin suchten, reichte durch den ganzen Saal.

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