Anschlag auf Uta-Maria Kuder : Feuerdrama am Forsthaus

Ex-Landesjustizministerin Uta-Maria Kuder (CDU)
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Ex-Landesjustizministerin Uta-Maria Kuder (CDU)

Angeklagter bestreitet Brandstiftung an Wohnhaus von Ex-Ministerin kurz vor der Landtagswahl

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16. Mai 2018, 20:45 Uhr

Dass kurz vor der Landtagswahl 2016 ein Feuer im Haus der damaligen Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) vorsätzlich gelegt wurde, ist laut Brandursachenermittler unbestritten. Doch am ersten Prozesstag gestern gegen einen 33-jährigen Bekannten der Familie bleibt offen, wer das Feuer in dem einsam im Wald bei Diedrichshagen stehenden Forsthaus legte und warum. Der Angeklagte schwieg vor Gericht.

Über seinen Anwalt ließ er am Amtsgericht Greifswald erklären, an der Tat nicht beteiligt gewesen zu sein. Verteidiger Wolfgang Kratz warf den Ermittlungsbehörden vor, schlampig gearbeitet zu haben. Das Verfahren habe einen politischen Anstrich und sei auch nur deshalb gegen seinen Mandanten eröffnet worden. Das Gericht, das nur einen Prozesstag angesetzt hatte, will nun zwei weitere Polizisten als Zeugen laden. Das Verfahren gestaltet sich zäh, weil direkte Tatzeugen fehlen. Es wird am 6. Juni fortgesetzt.

Laut Anklage soll der 33-Jährige am Abend des 31. August 2016 das Feuer mit einem Brandbeschleuniger gelegt haben. Zu einem größeren Brand sei es nur nicht gekommen, weil der Ehemann der Ministerin etwa 15 Minuten nach der Brandstiftung von der Jagd zurückkam und das Feuer löschen konnte. Die Kunststoffmöbel, auf die offenbar Brandbeschleuniger gespritzt wurde, waren bereits zu einem Haufen geschmolzen, die Fassade bis an den Dachstuhl verraucht. Qualm zog in die ersten Räume, wie der Jäger Alexander Kuder (69) berichtete.

Staatsanwalt Lars Wielert wirft dem Angeklagten schwere Brandstiftung vor – ein Delikt, das mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet wird. Zum möglichen Motiv des 33-jährigen machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Verletzt wurde niemand. Doch im Dachgeschoss des Hauses befand sich die heute 34-jährige Lebensgefährtin des Ehemannes der damaligen Ministerin. Die Ministerin lebte zu diesem Zeitpunkt getrennt von ihrem Mann in Schwerin. Das Paar ist bis heute nicht geschieden.

Der angeklagte Bauhelfer war ein jahrelanger Bekannter der Familie, der Hilfsdienste auf dem Grundstück versah, die Hunde beaufsichtige und zeitweise sogar dort lebte. Etwa ein dreiviertel Jahr vor der Brandstiftung war es zum Abbruch der Verbindung zwischen Kuders Ehemann und ihm gekommen. Über den Grund des Zerwürfnisses gibt es zwei Versionen: Alexander Kuder sagt, dass es zu einem tiefgreifenden Vertrauensbruch gekommen sei. Der Angeklagte selbst kann sich den Abbruch der Verbindung nicht erklären.

An einem Benzinkanister in der Nähe der Brandstelle hatte das LKA „dominante DNA-Merkmale“ des Angeklagten gesichert. Ein Kommissar, der später die Handydaten des Angeklagten ausgewertet hatte, sagte, dass die Sim-Karte des Angeklagten im Abstrahlbereich eines Funkmastes eingeloggt war, in dem sich auch das Forsthaus befindet.

In einer Vernehmung soll der Angeklagte angegeben haben, am Tatabend mit einem Nachbarn im etwa 30 Straßenkilometer entfernten Oberhinrichshagen getrunken zu haben. Dann sei er zu Bett gegangen.

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