zur Navigation springen

Töpfer aus Eichenhof : Feuer und Asche als Verbündete

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Töpfer Alexander von Stenglin heizt über 20 Stunden lang Holzbrandofen, der 25. Oktober auf dem Eichenhof geöffnet werden soll

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 11:45 Uhr

Das Feuer mit den unberechenbaren Flammen ist ein großer Verbündeter, wenn Töpfer Alexander von Stenglin seine Keramik dem Holzbrandofen anvertraut. Mehr als 20 Stunden lang muss der 53-Jährige das vor 25 Jahren selbst gebaute Ungetüm aus Schamott und Ziegeln füttern. „Ich brauche mindestens 1300 Grad Celsius, damit Feuer und Asche ihr Werk vollenden können“, erklärt der Keramikmeister. Rund 300 ungebrannte Kannen, Dosen, Gefäße aller Art, Tassen, Leuchter und Schüsseln hat er vorsichtig im Ofen gestapelt. „Die Tassen dienen dabei als Prallwand für die Flammen. Sie teilen das Feuer. Wenn die Höchsttemperatur erreicht ist, werfe ich Salz in den Ofen. Die hohe Temperatur sorgt für eine chemische Reaktion. Das Natrium verbindet sich mit dem Ton zu einem ganz einfachen Glas. Der Ascheanflug sorgt für zufällige wie faszinierende Farbeffekte“, erklärt der Fachmann den Brennprozeß.

Das Besondere beim Holzbrand sei, dass es keine Trennung zwischen Brenn- und Feuerraum gäbe, betont von Stenglin. Die Keramik stehe direkt in den Flammen und fange bei etwa 600 Grad Celsius an zu glühen. Wegen der enormen Hitze reagiere die Flugasche, die durch den gesamten Ofen ströme, mit dem Quarz auf der Töpferware. „Keine zwei Stücke sehen gleich aus. Man wird immer überrascht, aber niemals enttäuscht“, verrät von Stenglin, der zusammen mit seiner Frau Kat sechs bis acht Wochen Arbeit in die Herstellung der Salzbrand-Keramiken investiert hat.

In diesem Jahr wird der Brand der einzige sein, weil er einfach zu viel Arbeit mache, gesteht der Experte, der übrigens fest davon überzeugt ist, dass Material, handwerkliches Können sowie der Zufall für die Ergebnisse beim Brennen mit verantwortlich seien.

Am Sonntag, 25. Oktober, will der Keramiker den Ofen öffnen. „Dann ist die gebrannte Ware immer noch um die 100 Grad Celsius warm.“ Beheizt werde der Ofen hauptsächlich mit Kiefernholz. Buche würde zwar die schönere Asche ergeben, sie brenne dafür aber nicht so gut, plaudert von Stenglin aus dem beruflichen Nähkästchen. Für ihn sei die Ofenöffnung immer ein bisschen wie Weihnachten und Ostern zugleich. „Für unsere Gäste natürlich auch“, sagt er. „ Denn wir laden am Sonntag von 11 bis 18 Uhr zur Herbstausstellung ein. Zu Gast ist in diesem Jahr Schmuckgestalterin Heidrun Schäfer aus Buschdorf im Oderbruch. Zum Verweilen gibt es Zwiebelkuchen, Apfelkuchen, Glühwein, Kaffee und Tee. Meine Frau und ich freuen uns auf viele angenehme Gespräche mit den Besuchern, wenn wir den Ofen vorsichtig öffnen.“

Und der Eichenhofer bekennt mit geheimnisvoller Miene, er hoffe inständig, dass Feuer und Asche auch dieses Mal wieder schöpferische Verbündete seien.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen