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Prozess Neubrandenburg : Feuer gelegt, nur um Frust abzubauen

vom
Aus der Onlineredaktion

42-Jähriger gesteht vor Gericht zwei Brandstiftungen.

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Im Prozess wegen schwerer Brandstiftung in Neubrandenburg hat der Angeklagte gestanden, im vergangenen Jahr zweimal Feuer in einem Mehrfamilienhaus gelegt zu haben. In beiden Fällen habe er „Frust abbauen wollen“, sagte der 42-Jährige gestern am Amtsgericht Neubrandenburg. Eine dritte Brandstiftung bei einem Kollegen in Klein Daberkow, die ihm vorgeworfen wird, stritt er jedoch im Gegensatz zu Angaben bei der Polizei jetzt ab.

Die Brände in dem Neubrandenburger Mehrfamilienhaus, in dem der Angeklagte auch wohnt und bei denen vier Menschen verletzt wurden, hatten für viel Aufsehen gesorgt, da im Haus eine syrische Flüchtlingsfamilie wohnte. Die Polizei hatte ein ausländerfeindliches Motiv vermutet.

Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, Neujahr 2016 nach Streit bei der Silvesterfeier in der Wohnung seiner Ex-Frau einen Kellerverschlag angezündet zu haben. „Dann bin ich einfach hochgegangen.“ Der Brand zerstörte die Elektro- und Abwasseranlage im Keller, konnte aber gerade rechtzeitig gelöscht werden, bevor noch mehr Schaden entstand.

Später im Oktober habe er Ärger in seiner Firma – einem Paketdienstleister – wegen der Arbeitszeiten als Fahrer gehabt. Da habe er am 2. Oktober gegen 1.30 Uhr einen Schuh unten im Flur des Hauses mit einem Feuerzeug angezündet und diesen in den Schuhschrank gestellt

.„Ich habe nicht gewollt, dass sich das so stark entwickelt“, sagte der Angeklagte, der von einer psychiatrischen Gutachterin untersucht wird. Der Schuh habe der syrischen Familie gehört, das habe aber keine Bedeutung gehabt. „Ich hatte etwas gesucht, was ich anzünden konnten.“ Nach der Brandstiftung war er zur Arbeit gefahren. Bei der Firma arbeite er inzwischen nicht mehr.

Bei dem Feuer im Oktober mussten acht Menschen über Drehleitern gerettet werden, ein älterer Mieter und drei Kinder erlitten Rauchgasvergiftungen und mussten in einer Klinik behandelt werden. „Das hätte nicht passieren dürfen“, bedauerte der Angeklagte.

Richterin Tanja Krüske kündigte an, dass der Prozess am 21. August fortgesetzt werden soll. Dann werden mehrere Zeugen, ein Brandgutachter und die psychiatrische Gutachterin gehört. Auch das Urteil soll fallen. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Haftstrafe.

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