Neustadt-glewe : Festtags-Karpfen aus der Lewitz

Mit einem Zugnetz fischen die Männer in Neuhof bei Neustadt-Glewe  Spiegelkarpfen aus einem der Hälterteiche.
Mit einem Zugnetz fischen die Männer in Neuhof bei Neustadt-Glewe Spiegelkarpfen aus einem der Hälterteiche.

Der warme Sommer sorgt für mehr Fisch. Etwa 100 Tonnen sollen bis zum Jahresende verkauft werden.

svz.de von
02. Dezember 2013, 14:57 Uhr

Die Fischer in der Lewitz haben in diesem Jahr dickere Karpfen geerntet. Wie der Geschäftsführer der Lewitz Fisch GmbH in Neuhof bei Neustadt-Glewe, Hermann Stahl, sagte, bringen die Karpfen mit 2153 Gramm durchschnittlich rund 150 Gramm mehr auf die Waage als im Vorjahr. „Das klingt nicht viel, aber für mich sind das Tonnen“, sagt er. Insgesamt werden jährlich rund 300 Tonnen Fisch produziert, davon fast 150 Tonnen Speisefische. In diesem Jahr seien das fünf Prozent mehr als erwartet.

Grund für die bessere Gewichtszunahme war laut Stahl der warme Sommer. Die Fische fressen und wachsen besser. Außer Karpfen werden in den Teichen auch Jungtiere für die kommenden Jahre, Hechte, Welse, Barsche, Zander und Schleie gehalten. Die Lewitz Fisch GmbH ist nach Angaben des Agrarministeriums in Schwerin die größte Teichwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, wo die Lewitz-Firscher auch ihre wichtigsten Absatzgebiete haben.

Zu dem 2006 gegründeten Betrieb gehören 32 Gewässer mit 730 Hektar Fläche. Stahl beschäftigt neun Mitarbeiter. Laut Ministerium betreiben im Land sieben Betriebe Karpfenteichwirtschaften. Zum Jahresende haben die Karpfen traditionell Hochsaison. Für viele Deutsche ist er das traditionelle Essen zu Weihnachten oder Silvester. Am beliebtesten sind laut Stahl Karpfen mit zwei bis drei Kilogramm Gewicht, aber auch „dicke“ Fische mit vier oder fünf Kilogramm würden vor allem in Mecklenburg-Vorpommern nachgefragt.

Etwa 100 Tonnen Karpfen sollen bis Jahresende verkauft werden. Im Herbst wird das Wasser der Teiche abgelassen, die Fische werden in Hälterungsbecken gesetzt. Die Speisefische werden dann in den Monaten bis April vermarktet – über den eigenen Laden, hauptsächlich aber über Groß- und Einzelhändler in MV, Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Karpfen werden lebend versandt.

Die Haltung in den Becken über Winter ist dem Fischer zufolge keine Tierquälerei. Die Fische fahren ihre körperlichen Aktivitäten mit sinkenden Temperaturen deutlich zurück. Ihr Puls sinke von 38 bis 40 Schlägen pro Minute auf lediglich zwei. „Sie fressen im Winter bei Wassertemperaturen von einem Grad so gut wie nicht“, sagte Stahl. Wenn es wärmer wird, werde dann Getreide zugefüttert. Die Preise für Karpfen sind laut Stahl in diesem Jahr konstant geblieben. Höhere Kosten für Getreide und Energie ließen sich nicht umlegen, sagte er. Allerdings sei für Fische über drei Kilo eine neue Preiskategorie eingeführt worden, die älteren Fische würden jetzt etwas teurer verkauft.

Teichwirtschaften gewinnen an Bedeutung. „Der Bedarf an Fisch steigt, doch die Fischbestände in den Meeren und Binnenseen gehen zurück“, erklärt Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). „Deshalb unterstützen wir auch die Entwicklung der Aquakultur im Land.“ Bislang hätten die Aquakulturbetriebe rund 3,07 Millionen Euro Landes- und EU-Mittel erhalten. Stahl hofft, dass es in der neuen Förderperiode eine Flächenprämie für Teichwirtschaften geben wird. In anderen Bundesländern werden bis zu 400 Euro je Hektar Wasserfläche gezahlt.

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