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Defa-Stiftung als Sponsor : Festival braucht verlässliches Gesicht nach außen

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Die Landesregierung MV beabsichtigt angesichts der desolaten Lage in der Führung des Schweriner Filmkunstfestes, den traditionellen Berlinale-Empfang in der Landesvertretung in Berlin in diesem Jahr erstmals ausfallen zu lassen.

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2012 | 07:54 Uhr

Schwerin | Neben Filmschaffenden und Freunden des Schweriner Filmkunstfestes schalten sich nun auch Förderer und politisch Verantwortliche in den Streit um die Leitung des Festivals ein.

Helmut Morsbach, Vorstand der Defa-Stiftung, die das Filmkunstfest mit jährlich 10 000 Euro fördert, sagte gestern, er sei "nicht glücklich" darüber, dass erneut vor einem Festival eine Situation entstanden sei, die den Vorbereitungen im Wege stehe. Es gebe aber derzeit keine Überlegungen, die Förderung für dieses wichtige Publikumsfestival einzustellen.

Morsbach, der zugleich auch Sprecher des Künstlerischen Beirates des Filmkunstfestes ist, habe erst aus der Presse über die neue Situation erfahren. Er habe daraufhin Geschäftsführung, Aufsichtsrat und den vormaligen Künstlerischen Leiter Stefan Fichtner gebeten, ihn über die Vorgänge in Kenntnis zu setzen.

"Ich bedauere es, wenn sich Freunde des Festivals - vielleicht vorschnell - vom Filmkunstfest zurückziehen wollen. Für mich ist Schwerin so wichtig, dass ich diese Leute auch anrufen würde, um für das Festival zu werben", so Morsbach. Er sei aber der Ansicht, dass das Filmkunstfest eine künstlerische Leitung haben müsse, "ein Gesicht nach außen wie andere Festivals auch, jemand, der über Jahre mit Künstlern zusammenarbeitet".

Die Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow sagte gestern, sie sei daran interessiert, "dass das Filmkunstfest in Schwerin weiter strahlt … Dazu brauchen wir den Rückhalt der Filmkunstschaffenden. An vertrauensbildenden Maßnahmen werde ich mich gern beteiligen, nicht an Personaldiskussionen."

Für den Dok.-Filmregisseur Leopold Grün ("Der rote Elvis") scheint die Entwicklung "symptomatisch für den inneren Zustand des Festivals. Ein Konflikt (mit Hartmann), der nicht ausgestanden war und ist, hat sich fortgesetzt (Walker) und nun noch verstärkt (Fichtner). Es ging wohl am Ende immer nur darum, eine legitimierte Alleinherrschaft mit netten Erfüllungsgehilfen zu entwickeln. Die zu erwartende öffentliche Wirkung lässt das ganze Festival am Ende zu einer Art Posse werden, obwohl es längst Kopfschütteln und Abwinken auslöst. Das hat dieser wunderschöne Ort und das Potenzial des Festivals wirklich nicht verdient! "

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden der für die Ausrichtung des Filmkunstfestes zuständigen FilmLand gGmbH, Gerd Schneider, ist die Kritik an den neuen Organisationsstrukturen des Festivals haltlos. "Der Vorwurf der Kommerzialisierung ist völlig aus der Luft gegriffen", so Schneider. Das Team der FilmLand-Gesellschaft leiste "tolle Arbeit" und das gelte auch für Geschäftsführer Torsten Jahn: "Er hat die FilmLand-Gesellschaft und das Festival über Jahre hervorragend entwickelt." Natürlich habe es - bedauerlicherweise - in den vergangenen Jahren immer wieder Reibereien und Streit hinter den Kulissen gegeben, gibt Schneider zu. Aber gerade deshalb habe der Aufsichtsrat von Jahn ja gefordert, eine Geschäftsordnung zu entwerfen und dabei auch Zuschnitt und Zuständigkeiten der künstlerischen Abteilung auf eine gesicherte Basis zu stellen. Einen eigenständigen "Künstlerischen Leiter" sehe der Gesellschaftsvertrag der FilmLand gGmbH nämlich gar nicht vor: "Da hatte sich etwas herausgebildet, das nie wirklich geregelt war." Dass es nun keinen Künstlerischen Leiter mehr geben soll, sondern eine Programmredaktion plus einen "Festivalbotschafter", habe den Aufsichtsrat keinesfalls überrascht: "Es ist alles im Regelverfahren gelaufen. Für uns war überhaupt kein Alarmzeichen da. Torsten Jahn hat seine Entscheidungen jederzeit eng mit dem Aufsichtsrat abgestimmt." Dass die FilmLand zwar weiter mit Stefan Fichtner habe zusammenarbeiten wollen, aber im Rahmen der neuen Struktur, sei auch der Tatsache geschuldet, dass Fichtner seine bisherige Funktion eben noch nicht ganz ausgefüllt habe, so Schneider.

Die von Künstlern geäußerte Kritik an den Entscheidungen der FilmLand-Gesellschaft weist der Aufsichtsratsvorsitzende zurück: "Konstruktive Kritik von Leuten wie Andreas Dresen ist immer willkommen, aber vieles andere geht zu weit. Ehrlich gesagt, ich bin es leid, dass die Debatte um unser Filmkunstfest immer wieder aus Berlin dirigiert wird."


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