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Fixierung genehmigt : Festgebunden im Pflegebett

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Aus der Onlineredaktion

Richter genehmigen mehr Fixierungen für Senioren, dabei gibt es Alternativen

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2017 | 20:55 Uhr

Die Betroffenen sind mit Gurten ans Bett oder den Rollstuhl festgebunden: In der ambulanten und stationären Altenpflege werden jährlich mehr als 1000 pflegebedürftige Menschen in Mecklenburg-Vorpommern mit Hilfsmitteln fixiert und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Und von diesen umstritten Maßnahmen wird offenbar immer häufiger Gebrauch gemacht.

Die Betreuungsgerichte in MV genehmigten nach Angaben des Justizministeriums im vergangenen Jahr 1530 Fixierungen etwa durch Bauchgurte oder Bettgitter - 2015 hatten die Richter dagegen im Rahmen von Betreuungsverfahren rund 400 Genehmigungen weniger für sogenannte freiheitsentziehende Maßnahmen in der Altenpflege erteilt.

Begründet wird die Fixierung der Senioren häufig mit einer möglichen Sturzgefahr. Die Verletzungsgefahr als Grund für die drastisch anmutenden Maßnahmen lässt die Vorsitzende des Landesverbandes der Deutschen Alzheimer Gesellschaft nicht gelten. „Ursache für Stürze ist nicht der Bewegungsdrang, sondern meistens nachlassende Muskelkraft oder mangelnde Beweglichkeit“, erklärt Kathrin Ruhkieck.

Durch Fixierungen kann sich nach Einschätzung Ruhkiecks das Verletzungsrisiko sogar erhöhen. „Demenzkranke entwickeln enorme Kräfte und wollen sich aus der Zwangslage befreien“, erklärt sie. Die Pflegebedürftigen könnten sich Prellungen, Quetschungen und Verstauchungen zuziehen. Dabei gibt es Alternativen, um die Sicherheit pflegebedürftiger Senioren zu gewährleisten, ohne ihre Bewegungsfreiheit massiv einzuschränken. „Etwa Anti-Rutschmatten oder Hüftprotektoren. Die Krankenkassen bieten auch Kurse zur Sturzprävention an“, erklärt Ruhkieck. Pflegeexperten vermuten einen einfachen Grund, warum verwirrte Heimbewohner stattdessen festgebunden oder weggeschlossen werden: Sie sind oft unruhig, verängstigt, aggressiv oder versuchen wegzulaufen. „Mit der richtigen Ansprache oder therapeutischen Maßnahmen kann man Konfliktsituationen aber auch entspannen“, weiß Ruhkieck.

Doch für eine gute Pflege fehlt es in vielen Einrichtungen an Fachpersonal. „Das Arbeitspensum der Pflegekräfte ist immens. Wir brauchen mehr hochqualifiziertes Personal“, sagt die Landesvorsitzende der Alzheimergesellschaft. Gerade im Umgang mit Demenzkranken gebe es noch viele Defizite.

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