Landesforst : Fester Vertrag für Forstchef

Der Chefposten der Landesforstanstalt wird nun trotz massiver Fehler im Auswahlverfahren mit einem Vertrauten von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) besetzt.
Der Chefposten der Landesforstanstalt wird nun trotz massiver Fehler im Auswahlverfahren mit einem Vertrauten von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) besetzt.

Ex-Vorstand sagt ab, Manfred Baum soll Landesforst leiten

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01. März 2018, 05:00 Uhr

Ende der zweijährigen Personalquerelen im Wald: Der Chefposten der Landesforstanstalt soll offenbar trotz massiver, vom Verwaltungsgericht Greifswald festgestellter Fehler im Verfahren zur Neubesetzung der Vorstandsstelle nun doch ohne ein weiteres Auswahlverfahren mit einem Vertrauten von Landwirtschaftsministers Till Backhaus (SPD) direkt besetzt werden. Der nach einer Klage des Ex-Vorstandes Sven Blomeyer gegen die Personalentscheidung des Verwaltungsrates kommissarisch eingesetzte ehemalige Forstreferent im Agrarministerium, Manfred Baum, kann jetzt mit einer festen Stelle rechnen. Darüber will der Verwaltungsrat offenbar bei einem Gremientreffen morgen entscheiden. Aus dem Agrarministerium hieß es gestern nur: „Der Verwaltungsrat der Landesforstanstalt wird in seiner nächsten Sitzung über einen Vorschlag zur Besetzung der ausgeschriebenen Stelle entscheiden und seine Empfehlung dem Minister übermitteln.“

Ein erstes Auswahlverfahren 2015 zur Neubesetzung des Postens war juristisch nicht haltbar gewesen. Das Verwaltungsgericht Greifswald hatte das Verfahren für rechtswidrig erklärt und unter anderem kritisiert, dass das Leistungsprinzip zu wenig berücksichtigt und in die Auswahlentscheidung eine Vielzahl „sachfremde Erwägungen“ einbezogen worden seien. Die Landesforst hatte daraufhin eine Wiederholung des Auswahlverfahrens beschlossen.

Kein Bedarf mehr: Ex-Vorstand Blomeyer sagte jetzt eine erneute Teilnahme an einem Auswahlverfahren ab. „Nachdem was ich erlebt habe und was das Gericht dokumentiert hat, stehe ich nicht mehr zur Verfügung“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Blomeyer war nach dem Chefwechsel in die dritte Reihe der Forstverwaltung geschoben worden und wird nun als Fachgebietsleiter Forsteinrichtung unter Baum arbeiten. Der Bund Deutscher Fortleute (BDF) begrüßte die anstehende Einigung: „Damit wird das Verfahren endlich beendet und Klarheit bei der Besatzung des Vorstandes geschaffen“, erklärte BDF-Landeschef Peter Rabe. Das sei auch für die 1000 Forstbeschäftigten wichtig.

Backhaus war mit der auf seinen Druck erfolgten Personalentscheidung in die Kritik geraten. Noch 2016 hatte der Ressortchef der Landesforst mit Blomeyer an der Spitze gute Arbeit bescheinigt. „Wir haben uns in der Vergangenheit im bundesweiten Vergleich eine Vorreiterrolle erarbeitet“, hatte er auf einem Festkolloquium anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Forstanstalt erklärt. Unter Blomeyer war die Landesforst von einer Verwaltung zu einem Wirtschaftsbetrieb entwickelt und der Verlustausgleich des Landes reduziert worden – mit millionenschweren Rücklagen. Backhaus: Die Landesforstanstalt hat sich seit ihrer Gründung 2006 zu einem anerkannten öffentlichen Dienstleister im ländlichen Raum entwickelt.“ Noch für 2014/15 wies die attestierte Bilanz eine deutliche Umsatzsteigerung aus – auf 61 Millionen Euro. Im Nachhinein aber lässt Backhaus Zweifel am wirtschaftlichen Erfolg Blomeyers aufkommen. Inzwischen kreidet er ihm an, u. a. die Forstanstalt zu wenig auf neue Geschäftsfelder ausgerichtet zu haben. Sein Haus wollte gestern plötzlich nichts mehr von der Kritik wissen und erklärte stattdessen: „Der Minister hat in der Vergangenheit seine Anerkennung für die Arbeit von Herrn Blomeyer geäußert.“

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