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Arbeitsagenturen beklagen fehlende Angebote : Ferienzeit ist Ferienjobzeit

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Wie etwa die Hälfte ihrer Klassenkameraden im Innerstädtischen Gymnasium der Hansestadt nutzt Leena Klehn die Ferienzeit, um Geld zu verdienen und sich unabhängiger von den Eltern zu machen.

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erstellt am 02.Jul.2013 | 10:45 Uhr

Rostock | Souverän verrichtet Leena Klehn ihren Job hinter der Bäckereitheke. Das Bedienen, Beraten und Verkaufen gehen der 17-jährigen Schülerin einfach von der Hand. Seit fast zwei Jahren jobbt sie an manchen Wochenenden und in den Ferien bei der Rostocker Bäckerei Nowak. "Am Anfang war es fast ausschließlich das Geld, das mich reizte, aber heute macht es mir richtig Spaß."

Wie etwa die Hälfte ihrer Klassenkameraden im Innerstädtischen Gymnasium der Hansestadt nutzt sie die Ferienzeit, um Geld zu verdienen und sich so unabhängiger vom Geldbeutel der Eltern zu machen. Und sie ist sich sicher, dass ein Ferienjob später bei Bewerbungen von Bedeutung sein kann. "Da sehen die Arbeitgeber, dass man auch Interesse an Dingen außerhalb der Schule hat."

Ein schlagkräftiges Argument, findet Horst Schmitt von der Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit. Er sieht aber neben der Möglichkeit für die Schüler, frühe Berufserfahrungen zu gewinnen, auch die positiven Effekte für die Arbeitgeber. "Angesichts der Situation am Ausbildungsmarkt bieten gerade Ferienjobs den Betrieben die Möglichkeit, für sich selbst zu werben und Kandidaten für offene Ausbildungsplätze schon frühzeitig während der letzten Schuljahre zu interessieren", sagt Schmitt. "Diese Chance wird trotz des sich stetig verschärfenden Wettbewerbs um Auszubildende nicht ausreichend genutzt." Vor allem für Jugendliche unter 18 Jahren wünschten sich die Arbeitsagenturen mehr Jobangebote. Die besten Chancen, einen der beliebten Ferienjobs zu erhaschen, gibt es nach Einschätzung der Arbeitsagenturen in Hotels und Gaststätten, im Einzelhandel und in Call Centern. Die Stundenlöhne bei Studenten liegen bei etwa acht Euro, für Schüler teils deutlich darunter.

Das Hotel Neptun in Warnemünde lässt sich nicht lumpen und zahlt gut, wie Vize-Personalchefin Jutta Lange sagt. Den genauen Stundenlohn möchte sie aber nicht nennen, es seien jedoch mehr als 5,50 Euro. Das Fünf-Sterne-Haus setzt Schüler an prominenter Stelle ein - als Pagen. "Der Gast gewinnt bei ihnen den ersten Eindruck", schärfe sie den Jungs ein, die für zwei oder drei Wochen am Eingang die Gäste begleiten und das Gepäck auf die Zimmer oder bei der Abreise zum Auto bringen. "Wir setzen viel Vertrauen in die Schüler."

In diesen Ferien arbeiten neun Jugendliche ab 16 Jahren im Hotel, neben vier Pagen auch fünf Eisverkäufer. Das Hotel habe bisher nur gute Erfahrungen mit Schülern gemacht. "Sie sind sehr interessiert und sehr zuverlässig", lobt Lange. Sie würden in der Hochsaison über Personalengpässe hinweg helfen. Den Schülern mache die Arbeit so viel Spaß, dass sie sich schon im Winter bewerben.

Dass viele Arbeitgeber das Potenzial noch nicht erkannt haben, zeigt sich in den regionalen Niederlassungen der Arbeitsagenturen. So wurden in diesem Jahr bei der Arbeitsagentur in Stralsund gar keine Ferienjobs angezeigt, ebenso in Ribnitz-Damgarten oder Neubrandenburg. Selbst die Rostocker Arbeitsagentur meldet fast Fehlanzeige. Wenn Anfragen von Schülern kommen, müssen sie teilweise wie in Stralsund negativ beschieden werden. "Viele Jobs im Bereich Hotels und Gaststätten sowie im Einzelhandel sind mit 450-Euro-Kräften besetzt", berichtet Schmitt.

Die meisten Ferienjobs werden über die Online-Job-Börse oder über Aushänge in den Schulen oder Hochschulen vermittelt. Oftmals ist die "Mund-zu-Mund-Propaganda" unter den Schülern und Studenten dafür zuständig. Zahlreiche Arbeitgeber vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich und Einzelhandel suchen auch über Aushänge im Betrieb selbst oder bitten ihre Angestellten, im Bekannten- und Verwandtenkreis den Ferienjob bekanntzumachen.

Oft bleibt den Schülern und Studenten letztlich nur die direkte Bewerbung. Auch da kann die 17-jährige Leena schon einige Erfahrungen weitergeben. "Wichtig ist der erste persönliche Kontakt zum Arbeitgeber. Da kann der gleich sehen, dass man bereit ist, für ihn zu arbeiten."

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