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Missbrauch: Arbeitsloser Maurer muss ins Gefängnis : Ferienbetreuer steigt zu Jungen ins Bett

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Wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs zweier Jungen muss ein 44-jähriger Mann aus der Uckermark für vier Jahre und zwei Monate in Haft.

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2012 | 07:58 Uhr

Neubrandenburg | Die Mutter sitzt ganz still neben ihrem Anwalt, dem Angeklagten direkt gegenüber. Sie kennt den blassen Mann, der aus der Haftanstalt in den Saal des Neubrandenburger Landgerichts geführt wurde, schon länger. Aber seit dem Sommer vergangenen Jahres sieht sie ihn vermutlich mit anderen Augen. Der heute 44-Jährige Maurer, der öfter zu Gast bei der Familie in einem Dorf in der brandenburgischen Uckermark war, hat ihren Sohn sexuell missbraucht. Vermutlich auch gemeinsam mit einem Bekannten - einem Mann, gegen den die brandenburgische Staatsanwaltschaft in einem abgetrennten Verfahren ermittelt. Was der Mutter durch den Kopf geht, als der Vorsitzende Richter Carl Christian Deutsch gestern das Urteil spricht, ist ihr nicht anzusehen. Vier Jahre und zwei Monate lautet das Strafmaß für den Mann, die gut halbjährige Untersuchungshaft wird angerechnet. Wenigstens hat er durch sein Geständnis ihrem Kind die Aussage vor Gericht erspart. Die Mutter vertritt den heute Elfjährigen mit dem Neubrandenburger Rechtsanwalt Stefan Schulze in der Nebenklage.

Ein Altersgefährte des Kindes dagegen konnte der Begegnung mit dem Angeklagten nicht ausweichen, musste ins Gericht kommen und unangenehme Fragen beantworten. Dieser Junge hatte im Juli ein paar Sommertage in einem Ferienlager im mecklenburgischen Schwichtenberg verbracht. Dort hatte der 44-Jährige als Betreuer gearbeitet und dem Urteil zufolge mit mehreren Jungen in einem Zimmer geschlafen. Eines Nachts soll er zu dem damals Elfjährigen ins Bett gestiegen sein. Was dann folgte, heißt juristisch "vollendeter Analverkehr" - und gilt als schwerer sexueller Missbrauch.

Das Kind hatte sich noch im Sommer seiner Pflegemutter anvertraut. Sie erstattete umgehend Anzeige. Bei den Ermittlungen im Umfeld deckten Polizei und Staatsanwaltschaft dann auch die Vorfälle in dem Brandenburgischen Dorf auf. Um beide Jungen zu schützen, hatte das Gericht die Öffentlichkeit weitgehend vom Prozess ausgeschlossen. Nur für die Verlesung der Anklageschrift und den Urteilsspruch waren Zuschauer zugelassen.

Insgesamt wird der gelernte Maurer in vier Fällen verurteilt. Einem Gutachten zufolge gilt er nicht als pädophil. Er sei zwar "einfach gestrickt", wie der Richter sagte, aber voll schuldfähig. Vorbestraft sei er bisher nicht. Er habe sich bei den Opfern entschuldigt. Das Gericht glaubt ihm die bekundete Reue. Wie die beiden Kinder das Geschehen verkraften, wird die Zukunft zeigen.

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