Fensterbild als Medaillon

Das schöne Rosettenfenster der Gadebuscher Stadtkirche an seinem Platz in der aus dem frühen 13. Jahrhundert stammenden Westmauer. Foto: Bernd Michael Möschel
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Das schöne Rosettenfenster der Gadebuscher Stadtkirche an seinem Platz in der aus dem frühen 13. Jahrhundert stammenden Westmauer. Foto: Bernd Michael Möschel

Gerade in jüngster Zeit erfuhr die Gadebuscher Stadtkirche St. Jacob & St. Dionysius eine erfreuliche Neubewertung ihrer kulturhistorischen Bedeutung. Da hatte die evangelische Kirchgemeinde eine originelle Idee, wie der überlieferte Schatz weitere Freunde werben könnte. Ab sofort gibt es eines der herausragendsten Architektur-Kleinode dieser ältesten Mecklenburger Hallenkirche in handlicher Form als Souvenir.

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12. Dezember 2008, 08:20 Uhr

Gadebusch | Wer einmal das Kircheninnere betrat und sich aufmerksam umschaute, dessen Blick blieb unweigerlich an dem imposanten Rundfenster im gewaltigen Mauerwerk der spätromanischen Westwand hängen. In der Tat brechen seine farbig ornamentierten Glasscheiben aus dem 19. Jahrhundert das einfallende Tageslicht mit seltener Schönheit.

Das wirklich Besondere und hierzulande Einzigartige an diesem Rundfenster ist jedoch seine tragende Konstruktion. Diese filigrane Rosette besteht - anders als jene in der Norddeutschen Backsteingotik verbreiteten - eben nicht aus Formziegeln sondern aus Metall.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die Herstellung "aus einem Guss" und datieren den Ursprung der Rosette auf die Entstehungszeit dieser Kirche ab 1210.

Legenden erzählen von einem Hildesheimer Meister, welcher die Bronzerosette vor Ort in Gadebusch gegossen haben soll. Dafür soll er unter anderem die silberne Krone der heidnischen Gottheit Radegast mit eingeschmolzen haben.

Die slawischen Einwohner dieser Region, welche einstmals Radegast verehrten, waren bekanntlich kurz zuvor von deutschen Eroberern unter Heinrich dem Löwen besiegt und anschließend zum Christentum bekehrt worden. Davon abgesehen hat allein das filigrane Maßwerk dieses Fensters seinen besonderen ästhetischen Reiz und garantierten Wiedererkennungswert.

Nun ergab es sich, dass Tilman Baier - Ehemann der Gadebuscher Pastorin Ariane Baier und Chefredakteur der hiesigen Kirchenzeitung - während einer kürzlichen Studienreise in China eine Werkstatt kennen lernte, in der Handwerker eben solche Architekturformen zu originellen Schmuckstücken verarbeiteten.

Wieder daheim in Gadebusch wurde aus der beim Reisebericht im Kreis der Kirchgemeinde geschilderten Beobachtung eine pfiffige Idee: Unsere Rosette wäre doch ein dekoratives Medaillon! Durch Vermittlung der Stadtinformation Stralsund, welche auf gleichem Wege bereits Teile ihrer berühmten Rathausfassade als Schmuck-Souvenir nachgestalten ließ, wurde der Kontakt zu einer Firma in China geknüpft. Ein per Telefax übermitteltes Foto der Gadebuscher Rosette diente als Vorlage und dieser Tage kam die erste Paketsendung mit den fertigen Anhängern zurück.

"Wir sind begeistert", gesteht Pastorin Baier und erzählt von Kirchenältesten, die das in zwei Varianten verfügbare Schmuckstück zur Probe im Bekanntenkreis trugen und bereits am nächsten Tag Nachschub orderten. So gut kam die Gadebuscher Rosette als schmuckes Medaillon und Geschenkidee an, zumal sich der metallische Schmuckanhänger vom Durchmesser eines Trinkglases auch problemlos per Briefumschlag verschicken lässt.

Zum Preis von zehn Euro als glatt polierter Anhänger mit Lederbändchen oder für 14 Euro mit ziselierter Struktur ist das neue Gadebuscher Mitbringsel ab sofort im Pfarrbüro aber auch im Schmuckgeschäft Möller sowie der Buchhandlung Schnürl & Müller zu haben. Der Erlös kommt zum Teil der Gadebuscher Kirche zu Gute.

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