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In MV jede siebente Lebensmittelprobe beanstandet : Fellreste im Schnittbrot

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Verbrauchertäuschung im Ladenregal: Bei Lebensmittelproduzenten gebe es noch immer die Tendenz, Verbraucher über Qualitätsminderungen täuschen zu wollen, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern.

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erstellt am 05.Jun.2013 | 08:14 Uhr

Rostock | Verbrauchertäuschung im Ladenregal: Ein Viertel der Proben tiefgefrorener Pangasius-Filets ohne Nachweis der Zusatzstoffe, bei jedem zweiten untersuchten Wurstglas fehlende oder nicht korrekte Angaben der Zutaten, der Zusatzstoffe sowie der Füllmenge, kandierte Äpfel, feine Backwaren oder Speiseeis ohne Angaben über Farbstoffe, Bier und Erfrischungsgetränk ohne die angebenen isotonischen Eigenschaften, als ungewürzt deklarierte Riesengarnelen mit Salzzusatz - Kontrolleure haben im vergangenen Jahr bei fast zwei Dritteln der beanstandeten Lebensmittelproben in Mecklenburg-Vorpommern Verstöße gegen die Kennzeichungspflicht festgestellt. Es gebe immer wieder Lebensmittelhersteller, die die Verbraucher über Qualitätsminderungen täuschten, indem sie nicht alles korrekt angeben würden, was im Produkt verarbeitet sei, kritisierte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern bei der Vorlage des Verbraucherschutzberichtes 2012 in Rostock das Vorgehen der Hersteller: "Dann lässt man das halt einfach mal weg."

Die Kontrollbehörden hatten im vergangenen Jahr insgesamt 7654 Lebensmittelproben untersucht und etwa jede siebente beanstandet. In einem Fünftel der Fälle waren in den Proben u. a. Keime wie Salmonellen und Listerien sowie Bakterien festgestellt worden. Bei elf Prozent wichen die angegebenen Inhaltsstoffe ab oder wurden unzulässige Zusatzstoffe verwendet. In vier Prozent der Proben entdeckten die Kontrolleure u. a. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Schwermetalle, Verunreinigungen oder Schädlingsbefall. Trotz aller Beanstandungen habe es im Vorjahr "keine Gefahr für die Gesundheit oder gar das Leben der Verbraucher durch Lebensmittel gegeben", meinte Backhaus: "Die Lebensmittelsicherheit in Deutschland befindet sich auf einem hohen Niveau."

Fellreste einer Spitzmaus im Schnittbrot, verschimmeltes Marzipanbrot unter dem Schokoladenüberzug, ein drei Jahre überlagertes Eis in der Kühltruhe an einer Tankstelle, Brot mit grün verfärbten Sonnenblumenkernen: Verstöße gegen Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit sind in MV an der Tagesordnung. 2012 waren bei 29 000 Kontrollen in knapp 16 000 Betrieben in 10 000 Fällen Mängel festgestellt worden, geht aus dem Bericht hervor. Neben 326 Verwarnungs- und Bußgeldverfahren waren 62 Strafanzeigen erstattet worden.

Verstöße auch auf dem Acker: Mit Pflanzenschutzmitteln belastete Lebensmittel, Rückstände im Boden - der Chemieeinsatz auf den Feldern geht nach Erkenntnissen der Prüfer in 10 bis 13 Prozent der Pflanzenschutzbehandlungen in Deutschland über das notwendige Maß hinaus. Das gelte auch für Mecklenburg-Vorpommern, meinte Backhaus: "Es bestehen Einsparpotenziale vor allem im Bereich der Insektizide." Durch den intensiven Anbau sei vor allem beim Raps "die Pflanzenschutzintensität in dieser Kultur in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen", heißt es in dem Bericht. Die Zahl ganzer Aufwandmengen liegt deutlich über dem bundesweiten Schnitt.

Belastungen auch im Obst- und Gemüsebau: So entdeckten die Kontrolleure bei Tests von 75 Obstkonserven seit 2010 in 43 Proben Rückstände. Insgesamt wurden 33 verschiedene Wirkstoffe 128-mal nachgewiesen, heißt es in dem Bericht. In vier Proben seien Rückstände ermittelt worden, deren Gehalte über dem geltenden Höchstgehalt lagen. Dabei habe es sich um zwei Proben Heidelbeerkonserven und um jeweils eine Stachelbeer- und eine Sauerkirschkonserve gehandelt - alle vier in Deutschland produziert.

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