Individuelle Teddys in Parchim : Feines Händchen für kuschlige Tatzen

Rita Diesing ist Bärenmacherin. Oskar war einer ihrer ersten und saß schon auf einer großen Schaukel in ihrer Berliner Werkstatt. Foto: Simone Herbst
Rita Diesing ist Bärenmacherin. Oskar war einer ihrer ersten und saß schon auf einer großen Schaukel in ihrer Berliner Werkstatt. Foto: Simone Herbst

Im Regal stapeln sich Stoffe - braune, gelbe, beigefarbene, welche mit langem Flor, andere mit kurzem, struppig oder glatt die einen, gelockt die anderen. Für Rita Diesing sind es Zutaten für die „Freunde für’s Leben".

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03. Juli 2012, 09:59 Uhr

Parchim | Im Regal stapeln sich jede Menge flauschige Stoffe - braune, gelbe, beigefarbene, welche mit langem Flor, andere mit kurzem, struppig oder glatt die einen, drollig gelockt die anderen. Daneben thronen große Kartons mit unzähligen Knöpfen, Garnen, diversen Stoffen, Kataloge, Schnittmuster, Zeichnungen, Skizzen. Manche sähen in diesem Depot schlicht das, was es ist: Material. Für Rita Diesing sind es die Zutaten, aus denen sie "Freunde für’s Leben" baut. Mit geschickten Händen und dem Auge fürs Detail, vor allem aber mit dem großen Herzen einer Bärenmacherin.

Wenn Rita Diesing von ihrer Werkstatt und ihren Bären erzählt, dann ist da eine Wärme in ihrer Stimme, die eine große Liebe zu ihrem Beruf verrät. Nach langer Suche - sie war Sekretärin, Verkäuferin, Barfrau, Empfangsdame in einer Anwaltskanzlei… - weiß sie sich inzwischen angekommen. "Eigentlich hatte ich schon sehr lange das Gefühl, dass Festanstellungen nicht wirklich mein Ding sind", sagt sie. Jeden Tag, zu immer der gleichen Zeit bei der Arbeit und gut drauf sein, es muss da noch etwas anderes geben. Da war sich Rita Diesing sicher. Gefunden hat sie genau "dieses Andere" wenig später auf dem Flohmarkt: "Ich liebe diese Märkte, die Atmosphäre, die interessanten Menschen, ich liebe es zu stöbern, tolle Sachen zu finden. Und einmal traf ich eine Frau, die Bären verkaufte. Keine, wie man sie im Laden bekommt. Als sie mir sagte, dass sie die selbst gemacht hat, konnte ich es gar nicht glauben", erzählt Rita Diesing. Dann aber kaufte sie ihr erstes Bärenmacher-Buch, las zwei Tage und zwei Nächte und baute ihren ersten Bären. "Es hat mir soviel Spaß gemacht. Danach konnte ich einfach nicht mehr aufhören, wollte immer schönere, immer bessere Bären machen. Es war wie eine Sucht."

Sucht? Berufung? "Auf alle Fälle wusste ich nach ein paar Monaten, dass ich unabhängig sein und vor allem mehr Zeit für meine Bären haben wollte." Und Rita Diesing nahm sie sich, kehrte dem Festangestellten-Dasein endgültig den Rücken und machte mit dem "Bärliner" ihre erste Bärenwerkstatt auf - in Berlin, wo ihre Wiege stand. Mitte der 90er Jahre war das. Bis sie sich allerdings in der Bärenmacherszene - allein bundesweit dürften es einige hundert sein - einen Namen machen konnte, vergingen Jahre. "Als Bärenmacher, da fängt man nicht so einfach an und findet seine Käufer", lacht Rita Diesing. "Da muss man gut sein, auf Messen gehen, bei Meisterschaften mitmachen." Richtig, Meisterschaften! Sogar Europameisterschaften "of Bears" gibt es. 1998 nahm Rita Diesing an ihrer ersten teil und siegte. Bis 2003 fuhr sie dann etliche Vizemeister-Titel ein. "Das Schöne an solchen Meisterschaften ist der direkte Vergleich, es ist ein bisschen wie auf den Messen. Und es hat mir Auftrieb gegeben." Heute sucht man den Namen Rita Diesing auf den Euro-Starterlisten vergebens. "Weil ich irgendwann beschlossen habe, dass ich Wettbewerbe nicht mehr brauche, dass mir nicht wichtig ist, was eine Jury von meinen Bären hält. Viel mehr möchte ich zufriedene Kunden."

Rita Diesing hat sie - weltweit. In Deutschland sowieso, aber auch in Südengland, in Korea… "sogar in Japan gibt’s schon Bären von mir", freut sie sich, "und die Japaner kaufen wirklich nicht bei jedem, da musst du schon einen Namen haben", sagt Rita Diesing, die man im Netz unter www.ridibears.de findet und rührt die Werbetrommel, was normalerweise gar nicht ihr Ding ist.

Berlin ist Vergangenheit. Vor fünf Jahren war Rita Diesing in unsere Region gekommen, aufs Dorf ganz in der Nähe gezogen, drei Jahre später, frisch liiert, eröffnete sie "Nostalgie pur" ein kleines hübsches Geschäft für Wohnaccessoires und ausgefallene Geschenke, in das sie die Teekollektion des einstigen "Potpourri" mit aufnahm. "Solche kleinen Läden, von denen es in jeder Stadt immer nur einen gibt, haben mich immer magisch angezogen", schwärmt sie. Einziger Wermutstropfen: Sechs Tage die Woche geöffnet, blieb der Neu-Parchimerin am Ende nur noch sehr wenig Zeit für ihre Bären.

Das wird ab heute anders: Ab 9.30 Uhr lädt Rita Diesing zu Sekt und Schnittchen ein. Gemeinsam mit ihre Kunden möchte sie feiern. Den Umzug von der Langen Straße 52 in die Lindenstraße 45. "Parchim hat eigentlich nicht wirklich ein klassisches Einkaufszentrum. Deshalb liege ich hier mit meinem Laden genauso gut, aber ich zahle weniger Miete", sagt Rita Diesing frei heraus. Und das mit der Miete war ihr wichtig. "Ich werde nur noch mittwochs geöffnet haben und mich ansonsten in meiner neuen Werkstatt meinen Bärchen widmen."

Sie meint es ernst: Noch mitten im Umzugstrubel, hing an der Stirnseite ihrer Werkstatt ein Bilderrahmen, darauf der Slogan: "Liebevoll in Handarbeit gefertigt: Freunde fürs Leben." Rita Diesings Bären, die ihr Zuhause und ihre kleinen oder auch großen Zweibeiner in den letzten Jahren gefunden haben, würden, wenn sie es könnten, Geschichten erzählen. Jeder einzelne ein Unikat, hat jeder seine Eigenheit. Da kann’s sein, dass "Joshi" schon ab Werkstatt "strubbelig" und "dreckig" ist.

Übrigens: Zurück ins Großstadtgetümmel möchte die junge Frau nie wieder: "Ich liebe Mecklenburg, das ist die Region, wo ich wirklich leben kann. Und ich rede nicht von arbeiten und Geld verdienen. Ein Jahr habe ich gebraucht, um das Urlaubsgefühl loszuwerden."

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