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Mecklenburg-Vorpommern

21. September 2017 | 10:44 Uhr

AfD-Parteitag in MV : Feindbild Bundeskanzlerin

vom
Aus der Onlineredaktion

Die AfD-Kandidaten für die Bundestagswahl setzen bevorzugt auf brachiale Rhetorik

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Die Kanzlerin muss entweder vertrieben, gestürzt oder verjagt werden. Auch nationalistische Töne sind am Sonntag auf dem Parteitag in Sparow (Mecklenburgische Seenplatte) immer wieder zu hören. „Multi-Kulti-Träumer“ hätten Deutschland an den Islam verraten, behauptet ein Kandidat. Der AfD-Landtagsabgeordnete Christoph Grimm plädiert dafür, die D-Mark wieder als Zahlungsmittel einzuführen. Aus Sicht der AfD-Mitglieder ist Deutschland in die falschen Hände geraten. Die vollmundige Ankündigung: Im Herbst wollen sie es sich zurückholen – mit dem Ex-Radiomoderator Leif-Erik Holm als Merkel-Herausforderer. Auf der Mitgliederversammlung in Sparow erhielt der 46-Jährige gestern 187 von 206 Stimmen (91 Prozent). Gegenkandidaten gab es nicht.

Auch Holm, der im eher gemäßigten Spektrum der Partei verortet wird, setzte auf deftige Sprüche: „Wir wollen Merkel nach Hause in die Uckermark schicken.“ Sie habe verbrannte Erde hinterlassen. Durch ihre Flüchtlingspolitik und ihre Mitverantwortung an der Eurokrise habe sie zum EU-Austritt Großbritanniens beigetragen.

Der AfD-Landeschef und die CDU-Bundeschefin werden im Wahlkreis 15 als Direktkandidaten aufeinander treffen. Doch auch den SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz ließ Holm nicht ungeschoren: „Wenn er von sozialer Gerechtigkeit spricht, spricht er wie der Blinde von der Farbe.“ Schulz sei ein Vater der Agenda 2010, die er jetzt zurückdrehen wolle.

Noch vor wenigen Monaten hatte Holm jede Ambition in Richtung Berlin bestritten. Nun sagt er: „Einer muss es doch machen. Es ist ein toller Job, gegen Merkel anzutreten.“ Er gilt indes als Außenseiter. Merkel gewann ihren Wahlkreis seit 1990 immer direkt.

Dessen ungeachtet rechnet die AfD nach ihrem Einzug in den Landtag MV als zweitstärkste Partei (20,8 Prozent) damit, zwei bis drei Abgeordnete in den Bundestag schicken zu können. Um die noch als aussichtsreich geltenden Listenplätze zwei und drei kam es zu Kampfabstimmungen. Für den Platz hinter Holm traten sechs AfD-Mitglieder an. Mit 106 Stimmen setzte sich aber der Neubrandenburger Rechtsanwalt Enrico Komning durch, der zum nationalkonservativen Flügel der AfD zählt. Platz drei sicherte sich in einer Stichwahl Ulrike Schielke-Ziesing.

Debattiert wurde vom Parteitag auch immer wieder der sich zuspitzende Richtungsstreit im AfD-Bundesvorstand, der sich am thüringischen Landeschef Björn Höcke entzündet. Holm rief seine Mitglieder zur Geschlossenheit auf. „Wir müssen zusammenstehen und innerparteiliche Differenzen beilegen“, sagte er. Eine klare Aussage zum Partei-Ausschlussverfahren gegen Höcke bleibt Holm seinen Zuhörern dagegen schuldig. Einige Delegierte distanzieren sich zwar offen von Höcke, halten das Ausschlussverfahren aber für überzogen. Tenor: Die öffentliche Debatte schade doch nur der Partei.

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