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Mecklenburg-Vorpommern

20. September 2017 | 02:12 Uhr

Stralsund : Feilschen um Nord Stream 2

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fünftägige Beratungen in Stralsund. Es gab 200 Stellungnahmen und Einwände

Das deutsche Genehmigungsverfahren für den Bau der umstrittenen Erdgaspipeline Nord Stream 2 ist heute in eine weitere Runde gegangen. Eineinhalb Monate nach Ende der Einwendefrist startete in Stralsund hinter verschlossenen Türen der fünftägige Erörterungsmarathon mit zunächst rund 120 Teilnehmern.

Thomas Triller, Leiter des für die Genehmigung in den Küstengewässern zuständigen Bergamtes, betonte, dass sich die Genehmigungsbehörden nicht durch den ambitionierten Zeitplan der Gazprom-Tochter Nord Stream 2 beeindrucken lassen.

Das Unternehmen will bereits 2018 mit dem Bau der 1200 Kilometer langen Ostsee-Pipeline beginnen, durch die jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas nach Deutschland transportiert werden können. Die Trasse verläuft weitgehend parallel zur ersten Nord-Stream-Trasse, die 2011 in Betrieb ging. Der Bau von Nord Stream 2 stößt im Baltikum und in Polen politisch auf großen Widerstand.

Dem Bergamt Stralsund und dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) als deutsche Genehmigungsbehörden liegen mehr als 200 Stellungnahmen und Einwendungen vor. Die Anhörungen sind nicht öffentlich.

Der WWF hält den Nord- Stream-2-Antrag in seiner jetzigen Form für nicht genehmigungsfähig. Nach Schätzungen des WWF werden durch den Bau allein in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone 239 Tonnen Phosphor freigesetzt. Verbesserungen verlangt der WWF beim geplanten Umweltausgleich. „Die Kompensationsmaßnahmen sind viel zu vage formuliert“, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. Bedenken gab es auch im Zusammenhang mit dem nahegelegenen Atom-Zwischenlager.

Gegen den Bau der ersten Nord-Stream-Pipeline, die 2011 in Betrieb ging, hatten die Umweltverbände noch geklagt, dann aber ihre Klage nach einer Einigung mit Nord Stream über die Gründung einer millionenschweren Ostsee-Stiftung zurückgezogen. Im Zusammenhang mit dem Bau von Nord Stream 2 haben die Verbände einen weiteren „Deal“ ausgeschlossen. Die Möglichkeit einer Klage halte man sich weiter offen, sagte Lamp.

Ein Sprecher von Nord Stream 2 verwies auf das Umweltmonitoring nach dem Bau der ersten Pipeline. „Wir können mit realen Daten nachweisen, dass der Eingriff in die Umwelt nur punktuell und zeitlich begrenzt ist“, sagte der Sprecher. Aufgrund der niedrigen Förder- und Transportkosten sei das Pipeline-Gas aus Russland in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht die beste Option für die Erdgasversorgung Europas. Nord Stream 2 war mit etwa 20 Mitarbeitern und Gutachtern zur Anhörung gereist. Die Gesamtkosten für den Bau werden auf 9,5 Milliarden Euro beziffert. Die Vorbereitungen laufen in Sassnitz und und Kottka (Finnland) bereits auf Hochtouren.

 

Martina Rathke

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