Falsche Aufgaben vom Bildungsministerium : Fehlerteufel auf Prüfungszetteln

In der Ursprungsfassung der Mathe-Aufgabe fehlten die Größenangaben, um das Gewicht eines Metallkörpers zu berechnen. Der Fehler fiel erst am Nachmittag vor der Prüfung auf.
In der Ursprungsfassung der Mathe-Aufgabe fehlten die Größenangaben, um das Gewicht eines Metallkörpers zu berechnen. Der Fehler fiel erst am Nachmittag vor der Prüfung auf.

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hat das Schweriner Bildungsministerium fehlerhafte Prüfungsaufgaben an Schulen in MV verschickt. Diesmal wurden die Mängel allerdings in letzter Minute behoben.

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17. Mai 2013, 07:59 Uhr

Schwerin | Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen hat das Schweriner Bildungsministerium fehlerhafte Prüfungsaufgaben an Regionalschulen und Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern verschickt. Diesmal wurden die Mängel allerdings - wenn auch in letzter Minute - vor den schriftlichen Prüfungen zur Mittleren Reife behoben.

Bei den Prüfungsaufgaben in Deutsch, die an 36 Schulen versandt wurden, unterliefen den Autoren gleich zwei Grammatik-Fehler. Einmal verwechselten sie Gegenwart und Vergangenheit, so dass es "stellte" und nicht "stellt" hieß. Schwierigkeiten hatten sie offenbar auch mit dem Dativ und dem Akkusativ. Darum wurde aus "normaleren" fälschlicherweise "normalerem". Und die schöne Stadt Frankfurt verlegten sie durch einen Flüchtigkeitsfehler an den "Mai", obwohl die Finanzmetropole am Main liegt.

Außerdem fehlte bei den Mathematik-Aufgaben für die Regionalschüler eine Formel, die für die Lösung notwendig war. Die sei, so ein Sprecher von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), offenbar verschwunden, als das am Computer geschriebene Aufgabenblatt von einer Word-Datei in eine PDF-Datei umgewandelt wurde. Diese Datei wurde dann, möglicherweise ohne dass sie noch einmal durchgesehen wurde, auf CD-Rom gebrannt und an die Schulen verschickt. Das Bildungsministerium habe zum ersten Mal digitalisierte Aufgabenblätter versandt, so der Ministeriumssprecher.

Einen Fehler gab es auch bei den Mathematik-Aufgaben, die an mehrere Gymnasien gingen, an denen ebenfalls Schüler für ihre Mittlere-Reife-Prüfung schwitzten. Es fehlten die Maße eines Metallquaders. Ohne diese Zentimeter-Angaben hätten die Schüler die Aufgabe nicht lösen können.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Simone Oldenburg, zeigte sich entsetzt, da das Ministerium vor kurzem schon einmal falsche Aufgaben verschickt hatte. Es sei ziemlich "borniert" vom Ministerium, die Mängel nicht abgestellt zu haben. "Es fehlt offenbar eine Kontrolle, die sicherstellt, dass diese Fehler ausgemerzt werden." Schließlich verlange jeder Lehrer von seinen Schülern, ihre Lösungen und Texte noch einmal durchzulesen, bevor sie eine Klassenarbeit abgeben.

Brodkorbs Sprecher "bedauerte" die Herausgabe der mängelbehafteten Aufgaben. Es werde im Ministerium geprüft, "wo möglicherweise nicht sorgfältig genug gearbeitet wurde", um daraus gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. Allerdings würden auch die Fehler aus dem April "noch aufgearbeitet". Warum nach vier Wochen noch nicht ermittelt sei, wer damals Fehler gemacht hat, konnte der Ministeriumssprecher nicht sagen. Intern hieß es, möglicherweise seien zu viele Mitarbeiter damit befasst, Prüfungsaufgaben zu erarbeiten. So fühle sich am Ende keiner von ihnen mehr für die End-Kontrolle verantwortlich. Im April hatte das Ministerium Deutsch-Aufgaben verschickt, in denen es unter anderem "Gradwanderung" hieß, obwohl es "Gratwanderung" hätte heißen müssen. Auch wurden die Schüler nach dem Namen eines Schriftstellers gefragt, der im Text nicht angegeben war.

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