Studie Uni Rostock : Fehler auf fast jedem Totenschein

Eine Studie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Rostock liefert ein erschreckendes Ergebnis.

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01. September 2017, 20:45 Uhr

Dass es um die Praxis der ärztlichen Leichenschau in Deutschland nicht zum Besten steht, wusste der Rostocker Rechtsmediziner PD Dr. Fred Zack schon, bevor er zusammen mit seinem Team 10 000 Todesbescheinigungen aus dem Einzugsbereich des Krematoriums Rostock auswertete. „Das wurde bereits vielfach von unserer Fachgesellschaft kritisiert.“

Was die Studie dann aber zutage brachte, erschütterte selbst den Rechtsmediziner, der sich bereits seit 30 Jahren mit der Leichenschau beschäftigt. Nur 223 der 10 000 Totenscheine waren fehlerfrei. Auf 27 Prozent aller Scheine fand sich mindestens ein gravierender Fehler. Am häufigsten wurde eine nicht mögliche Kausalkette bei der Todesursache angegeben. Weitere Kritikpunkte waren fehlende Angaben zur Person des Leichenschauarztes sowie das Fehlen des Vermerks von sicheren Todeszeichen.

„Mit dieser Größenordnung haben wir zu Beginn der Studie nicht gerechnet“, so Zack. Es sei aber zu einfach und nicht zielführend, den Ärzten Oberflächlichkeit oder mangelnde Mühe vorzuwerfen. Die Leichenschau außerhalb einer Klinik sei eine schwierige Aufgabe und es müssten bei der Ausstellung eines Totenscheines gleich eine Reihe von Gesetzen und Vorschriften beachtet werden. Es seien ganz einfach keine Spezialisten am Werk: „Wenn ein niedergelassener Arzt beispielsweise zweimal im Jahr zu einer Leichenschau gerufen wird, stellt sich bei ihm kaum eine Routine ein“. Doch obwohl immer wieder die schlechte Qualität der ärztlichen Leichenschau in Deutschland angemahnt werde, sei keine Änderung in Sicht. Solch eine Lösung könnte aus Sicht der Rostocker Rechtsmediziner eine bundeseinheitliche Todesbescheinigung sein. Derzeit habe jedes Bundesland sein eigenes Bestattungsgesetz und seine eigene Todesbescheinigung. Zack regt an, dass künftig spezialisierte Ärzte oder medizinisch geschulte Spezialisten die Leichenschauen außerhalb von Krankenhäusern vornehmen sollten. Zudem sollte es mehr Sektionen geben, denn beinahe jede zweite Leichenschaudiagnose werde nach einer Sektion korrigiert.

Fehlerhafte Totenscheine können nicht nur zur Folge haben, dass Tötungsdelikte unentdeckt bleiben. Die darauf gemachten Angaben stellen auch die Grundlage für die amtliche Todesursachenstatistik dar. Die derzeitige ist laut Zack „Augenwischerei“ – liege aber der deutschen Gesundheits- und Forschungspolitik zugrunde.

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