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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 18:05 Uhr

Fehlalarme: Orte falsch gemeldet

vom

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2012 | 08:24 Uhr

Potsdam | Die Potsdamer Feuerwehrleitstelle beschäftigt nun auch Brandenburgs Landespolitik. Bei mehreren Unfällen im Landkreis Prignitz waren in den vergangenen Wochen die falschen Feuerwehren alarmiert worden, wertvolle Zeit ging dadurch verloren. Der Prignitzer CDU-Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann und der innenpolitischer Sprecher der märkischen Christdemokraten, Björn Lakenmacher, planen deswegen eine Kleine Anfrage an die Landesregierung. "Ich möchte wissen, ob die Personalvorgaben für die regionale Leitstelle in Potsdam tatsächlich eingehalten werden", sagte Hoffmann dieser Zeitung. "Mir strebt vor, dass man eine Evaluation der Leitstellen anstrebt." Zwar sei die Reform der Feuerwehrleitstellen in Brandenburg noch zu Zeiten des CDU-Innenministers Jörg Schönbohm durchgeführt wurde, betonte Hoffmann. Dennoch müsse sie überprüft werden. "Wenn man bei staatlichen Schulämtern Reformen anstrebt, und es schief geht, ist das ärgerlich", sagt der Prignitzer Landtagsabgeordnete. "Wo es aber um Leben und Tod geht, ist das ein Zustand der nicht hinnehmbar ist."

Falsche oder ungenaue Ortsangaben der Anrufer haben offenbar zu den teils unkoordinierten Rettungseinsätzen geführt. Das ergab gestern eine Sichtung der Protokolle. Die Leitstelle Potsdam habe richtig gehandelt, allerdings räumt sie auch einen Fehler und Nachholbedarf bei der Qualifizierung ein, so Rainer Schulz, als Bereichsleiter Gefahrenvorbeugung für die Leitstelle Potsdam zuständig. Nach seinen Angaben gab es im vergangenen Jahr in der Prignitz rund 10 000 Einsätze des Rettungswagens und 763 Feuerwehr alarme. Schon am Telefon in der Leitstelle werde der Ort an Hand einer Computerkarte überprüft. "Wenn es plausibel ist, schicken wir die Rettungskräfte los", so Schulz. Auch doppelte Orte und Umgangssprache seien einprogrammiert.

Lakenmacher verwies darauf, dass ihm ähnliche Fälle auch aus der Uckermark und dem Landkreis Potsdam-Mittelmark bekannt seien. "Ich höre immer wieder davon, dass die Leitstellen die Feuerwehren unkoordiniert durch die Ortschaften schicken", sagt Lakenmacher. Mit der Schaffung von Regionalleitstellen sollten Synergieeffekte geschaffen werden. "Das läuft aber suboptimal, weil die Zuständigkeitsbereiche so groß sind, dass den Mitarbeitern die Ortskunde fehlt."

Anders sieht das die Grünen-Abgeordnete Ursula Nonnemacher. Vor ihrer Wahl in den Landtag arbeitete die Medizinerin als Leiterin einer Intensivstation und fuhr als Notärztin in einem Berliner Rettungswagen. "Die Häufung der Fehler, die wir in der Prignitz erleben, ist absolut nicht tolerabel", sagt Nonnemacher. Allerdings seien die regionalen Leitstellen bereits seit 2010 in Betrieb. "Wenn es erst jetzt so eine Häufung gibt, sollte man sich vielleicht als erstes fragen, ob in der Leitstelle in Potsdam irgendetwas verändert wurde", sagt die Medizinerin. "Ich bin nämlich tendenziell nicht der Meinung, dass es Teufelswerk ist, wenn man in einem Flächenland Regionalleitstellen schafft." Ansonsten müsste man in allen Landkreisen rund um die Uhr Technik und Personal vorhalten. Das sei prinzipiell nicht nötig - "aber wir müssen herausbekommen, wo die Fehler lagen." Ähnlich äußerte sich auch Holger Rupprecht (SPD), der als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis Prignitz in Potsdam vertritt. "Das Problem scheint ja wohl die Kommunikation zwischen den Wehren und der Leitstelle vor Ort zu sein."

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