zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 14:02 Uhr

FC Hansa Rostock : FC Hansa droht das Aus

vom

„Schöne" Bescherung zu Jahresbeginn: Für den Fußball-Zweitligisten Hansa Rostock kommt es knüppeldick. Die Ostseestädter müssen Steuerschulden in Höhe von 4,5 Millionen Euro begleichen.

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2012 | 06:44 Uhr

Rostock | "Schöne" Bescherung zu Jahresbeginn: 4,5 Millionen Euro - zahlbar sofort. Für den Fußball-Zweitligisten FC Hansa Rostock kommt es knüppeldick. Zu den riesigen sportlichen Sorgen des abstiegsbedrohten Clubs gesellen sich immer größer werdende finanzielle Probleme. Die Ostseestädter müssen Steuerschulden aus den Jahren 1999 bis 2001 begleichen. Zu diesem Urteil ist der Bundesfinanzhof (BFH) gekommen, der die Revision der Rostocker abgewiesen hat und damit eine Entscheidung des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern bestätigte. "Es ist bedauerlich, dass das höchste Finanzgericht in seinem Urteil nicht die veränderten Bedingungen im Lizenzfußball nach der sogenannten ,Bosman-Entscheidung’ des Europäischen Gerichtshofes berücksichtigt hat", sagte Hansa-Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann.

Bei dem Rechtsstreit mit dem Finanzamt Rostock war zu klären, ob Hansa zu jener Zeit zu Unrecht Zahlungen für Transferentschädigungen, Provisionen an Spielervermittler sowie Ausbildungs- und Förderungsentschädigungen für Amateurspieler und Vertragsamateure, die beim aufnehmenden Verein Lizenzspieler werden, als sofort abziehbare Betriebsausgaben behandelt hat oder ob diese zu aktivieren und über die Vertragslaufzeit abzuschreiben gewesen wären. Bereits nach der Niederlage in erster Instanz vor dem Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern hatte der Club zum 30. Juni 2011 Rückstellungen für Steuerverbindlichkeiten wegen Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag, Gewerbesteuer und Zinsen in Höhe von insgesamt zirka 4,43 Millionen Euro gebildet. Somit entstehen durch das Urteil bilanziell keine neuen Verpflichtungen, jedoch ist es zur Sicherung der Liquidität des Vereins notwendig, Zahlungsvereinbarungen zu treffen. Zum 30. Juni 2011 wurden -10,15 Millionen Euro bilanziert. Der aktuelle Schuldenstand der Rostocker dürfte sich aufgrund der Vorkommnisse aus dieser Saison - unter anderem des Geisterspiels gegen Dynamo Dresden - auf rund elf Millionen Euro erhöht haben.

Und für die Norddeutschen kommt es noch dicker. Denn aufgrund des Urteils des BFH findet jetzt eine Auflage der Deutschen Fußball-Liga vom Dezember 2011 Anwendung. Hansa muss bis zum 18. Januar einen Nachweis liefern, mit welchen finanziellen Mitteln beziehungsweise Maßnahmen diese Steuerschuld zahlungswirksam erbracht werden kann. Bis zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit ist es Rostock untersagt, Transfers zu tätigen. Damit erklärt sich auch das bislang zögerliche Verhalten auf dem Spielermarkt. Vorstandsboss Hofmann ist aber optimistisch, dass die Rostocker die Probleme im Griff haben und auch lösen können: "Wir sind seit längerem in Gesprächen mit den beteiligten Parteien und sind zuversichtlich, dass wir die entsprechenden Vereinbarungen in der nächsten Woche treffen, um die Zahlungsfähigkeit des Vereins bis zum 30. Juni 2012 zu erhalten und somit die Auflage der DFL zu erfüllen."

Aussagen von Trainer Wolfgang Wolf deuten ebenfalls darauf hin, dass die Ostseestädter die schwierige Situation gemeistert bekommen. Der 54-Jährige macht sich weiter Hoffnungen auf Neuzugänge und erwartet in der kommenden Woche einige Probespieler. "Ich wusste um die finanzielle Situation des Vereins. Es wurde von Beginn an mit offenen Karten gespielt. Ich hoffe, dass ich das Vertrauen, das mir gegenüber gezeigt wurde, mit dem Klassenerhalt zurückgeben kann. Ich denke, dass wir das mit der einen oder anderen Verstärkung hinbekommen", so Wolf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen