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Faustschlag oder Unfall: Ist Backhaus noch tragbar?

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erstellt am 13.Aug.2013 | 06:56 Uhr

Rostock/Schwerin | Der umstrittene Unfall von Agrarminister Till Backhaus (SPD) sorgt hinter den Kulissen für Diskussionen. Offiziell gingen gestern alle Akteure auf Tauchstation. Backhaus ließ seinen Anwalt für sich sprechen. Im Ministerium hieß es, dies sei Privatangelegenheit des Ministers. Aus der Staatskanzlei hieß es, man warte die Ermittlungen ab. Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Peter Ritter, sagte: "Die Vorwürfe gegen Minister Backhaus sind schon starker Tobak. Aber selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung." Allerdings war auch zu hören, dass man sich ein aufgebrachtes Verhalten des Cholerikers Backhaus vorstellen könne. "Wenn das stimmt", so ein hoher Politiker, "ist Backhaus nicht mehr tragbar."

In dem Fall steht Aussage gegen Aussage. Entgegen der Anzeige gegen Backhaus, die ihm gewalttätiges Verhalten im Straßenverkehr vorwirft, war Backhaus nach dem Vorfall bei seiner Fahrradtour tatsächlich erheblich verletzt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock, Holger Schütt, bestätigte gegenüber unserer Redaktion gestern, dass es dafür Anhaltspunkte gebe. Jetzt müsse geklärt werden, ob die Verletzungen "unfallbedingt oder geschehensbedingt" gewesen seien.

Backhaus hatte nach der Radtour mit seinem Sohn und seiner Frau ausgesagt, dass der 69-jährige Fahrer eines Mercedes SLK ihn vorsätzlich bedrängt habe. So sei es zu dem Fahrradunfall gekommen, von dem der Verursacher geflüchtet sei. Tatsächlich nahm die Polizei dem Mann aus Nordrhein-Westfalen, als dieser sich später im Revier Bad Doberan meldete, den Führerschein ab. Diese Anzeige gegen unbekannt verstärkte Backhaus’ Anwalt in einem gestrigen Schreiben an die Polizei. Dort heißt es, dass der SLK-Fahrer im Streit Backhaus’ "Fahrrad mit dem angehängten Kinderanhänger" zurückschob. In der Folge kam es zu zwei Beinverletzungen bei Backhaus.

Ganz anders die Schilderung und Anzeige von Peter-Michael Diestel, Anwalt des 69-Jährigen . "Von A bis Z erstunken und erlogen", sagte er. "Es gab keinen Verkehrsunfall oder Fahrradunfall. Es gab nur einen aggressiven mecklenburgischen Minister. " In der Anzeige heißt es, dass der Minister den Fahrer des Autos, das seiner Meinung nach zu eng passierte, zunächst anschrie, später den Wagen durch Querstellen des Fahrrads zum Halten gebracht, und in der Auseinandersetzung den Fahrer mit der Faust geschlagen habe, während dieser angeschnallt und so wehrlos war. Diestel: "Eine Farce, die politische Konsequenzen haben wird." Backhaus versicherte gestern Abend nochmals: "Ich habe ihn definitiv nicht geschlagen."

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