Kundgebung bei P+S Werft in Wolgast : Faulenzen mit Vorbildwirkung

Öfter Pause machen: Christopher Zabel gefällt es. dimitz
Öfter Pause machen: Christopher Zabel gefällt es. dimitz

Christopher Zabel schaukelt gemütlich in der Hängematte vor dem Ausbildungszentrum der Wolgaster Peenewerft. Der angehende Konstruktionsmechaniker grinst, und das kann er sich auch leisten.

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04. Mai 2012, 08:10 Uhr

Wolgast | Christopher Zabel schaukelt gemütlich in der Hängematte vor dem Ausbildungszentrum der Wolgaster Peenewerft. Der angehende Konstruktionsmechaniker grinst, und das kann er sich auch leisten, denn eine Zukunft in seinem Lehrbetrieb ist dem 22-Jährigen im zweiten Lehrjahr so gut wie sicher. Demonstrieren wollen er und 30 Mit-Azubis, dass sie sich nicht gemütlich zurücklehnen, obwohl sie mit ihrem Ausbildungsvertrag die Garantie auf unbefristete Übernahme bekommen.

Roman Stala, seit 1. März unbefristet in Lohn und Brot bei der Peenewerft, kann das nur bestätigen. Gefaulenzt hat er in seiner Ausbildung nicht. "Jeder muss seine Leistung bringen, wie überall", sagt der 24-jährige und lobt die Lehrmeister. "Nach der theoretischen Ausbildung in der Werkstatt war ich richtig motiviert, in die Produktion zu gehen." 2008 hat er mit 24 anderen Azubis angefangen, 22 wurden jetzt fristlos übernommen, die übrigen drei sind mit einem Jahresvertrag weiter in Wolgast beschäftigt.

Beide jungen Männer sehen ihre Zukunft nur in der Region. "Ich will meine Kinder hier großziehen", sagt Zabel.

Rosige Aussichten, die Guido Fröschke von der IG Metall gern für alle Azubis der Branche flächendeckend praktizieren würde. Seit 2010 gibt es die unbefristete Übernahme bei den P+S Werften, jedes Jahr bekommen fast 60 Lehrlinge in Stralsund und Wolgast ihren Ausbildungsvertrag. Ein Modell, um Fachkräfte in der Region zu halten, dem Nachwuchs im Land eine Perspektive zu geben und damit auch dem demografischen Wandel etwas entgegen zu setzen, beschreibt Fröschke die positiven Folgen der P+S-Strategie.

Der Arbeitgeberverband Nordmetall hält das für überflüssig. Die Garantie auf unbefristete Übernahme gleiche einem Führerschein ohne Prüfung, sagt Verbandssprecher Peter Haas. Mitte März hatte Nordmetall-Verhandlungsführer Thomas Lambusch geäußert, die garantierte Übernahme könne demotivierend für die Engagierten unter den Auszubildenden sein.

Wolfgang Beitz, seit 38 Jahren Schiffbauer in Wolgast, versteht das nicht. Er kennt seine Lehrlinge nur "hochmotiviert" - und zutiefst gerührt. "Wenn sie den Ausbildungsvertrag in die Hand bekommen, leuchten ihre Augen." Zur Zeugnisausgabe, wenn sie den unbefristeten Vertrag in den Händen hielten, leuchteten ihre Augen noch viel mehr.

Die Aktion in Wolgast ist Teil der bundesweiten Warnstreiks im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie. Neben der Übernahme von Azubis fordert die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn und mehr Mitsprache bei Leiharbeitern.

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