Bildung in MV : Fast zwei Drittel der Lehrer über 50

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Durchschnittsalter der Pädagogen in MV hat sich weiter erhöht

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14. Februar 2018, 05:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil älterer Lehrer in den Kollegien im vergangenen Schuljahr weiter gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Amtes in MV waren im Schuljahr 2016/2017 ganze 61 Prozent der Pädagogen an den allgemeinbildenden Schulen über 50 Jahre alt. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag ihr Anteil bei 59 Prozent und fünf Jahre zuvor bei 51 Prozent.

Das Durchschnittsalter hat sich den Angaben zufolge weiter auf 49,6 Jahre erhöht. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass der Anteil jüngerer Lehrer bis 40 Jahre das vierte Jahr in Folge auf zuletzt immerhin 18 Prozent gestiegen ist. Zu groß ist die Besetzungslücke aus den vergangenen Jahren, die nicht durch nachrückende Lehrkräfte geschlossen werden konnte. So ist auch der Anteil der Pädagogen zwischen 40 und 50 Jahren im Schuljahr 2016/17 weiter auf 21 Prozent gesunken.

„Es hat in den vergangenen Jahren kein langfristiges Personalentwicklungskonzept gegeben“, kritisiert die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Annett Lindner. An vielen Schulen fehle nun eine gute Mischung aus allen Altersgruppen, damit Erfahrung und neue Ideen zusammenkommen. Vor allem aus Grundschulen gebe es derzeit alarmierende Rückmeldungen. „In manchen Kollegien liegt das Durchschnittsalter bei 55 Jahren und die Lehrer müssen im Vertretungsfall zusammengelegte Klassen mit mehr als 40 Kindern unterrichten – darunter leidet nicht nur die Qualität des Unterrichts, sondern auch die Gesundheit der Lehrkräfte“, so Lindner. Die GEW fordert deshalb vom Land eine höhere Reserve bei der Planung der Unterrichtsversorgung. Statt mit 99 Prozent müsse mit fünf Prozent mehr gerechnet werden.

Kommentar “Die Lehrer-Lücke schließen“ von Angela Hoffmann

Seit Jahren wächst in den Schulen in MV der Anteil der älteren Lehrer. Die Ursachenforschung reicht bis zur Nachwendezeit zurück. Dem demographisch bedingten Rückgang der Schülerzahlen nach 1990 auf ein Drittel begegnete das Land zunächst mit der Entlassung von mehr als 4000 Pädagogen. Nach der Sozialauswahl traf es vor allem jüngere Kollegen – und damit die Jahrgänge, die heute in der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen fehlen. Beim folgenden Lehrerpersonalkonzept setzte das Ministerium dann auf Teilzeit. Zwar gab es auch damals schon einen Einstellungskorridor von 70 Stellen pro Jahr, doch der sei wegen der schlechten Bedingungen nie ausgeschöpft worden, so die Lehrergewerkschaft GEW. Erste Hinweise auf wieder steigende Schülerzahlen habe man zudem ignoriert, so der berechtigte Vorwurf.

Immerhin: Die Landesregierung hat in den vergangenen Jahren einiges getan, um den Lehrerberuf in MV wieder attraktiver zu machen. Dazu zählen etwa die Verbeamtung, ein höheres Gehalt für Regionalschullehrer und Anrechnungsstunden für Klassenleiter. Hinzu kommt die bundesweite Lehrerwerbekampagne.

Und doch ist fraglich, ob das ausreicht. Allein die Grundschulen in MV brauchen bis zum Jahr 2025 mehr als 900 Lehrer. Anhebung ihrer Gehälter, ein größerer personeller Puffer, Anrechnung von zusätzlichen Aufgaben, bessere Ausbildungsbedingungen – all das ist noch ausbaufähig, wenn das Land im Wettbewerb um die Lehrkräfte von morgen nicht das Nachsehen haben will. Denn eines ist auch klar: Die Zahl der pädagogischen Ruheständler lässt sich noch langfristiger voraussagen als die Stärke der künftigen Schülerjahrgänge. 61 Prozent der Lehrer sind derzeit über 50 Jahre alt. Das heißt auch: Spätestens in 15 Jahren werden fast zwei Drittel der heutigen Lehrer die nächste große Lücke hinterlassen.

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