Staatliches Museum Schwerin : Fast wirklich wahr

Sammlerstolz: Christoph Müller und die Grafik „Atlas Minor“
Sammlerstolz: Christoph Müller und die Grafik „Atlas Minor“

Wieder einmal zeigt das Staatliche Museum Schwerin Werke aus der Sammlung Müller – diesmal Grafiken

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12. Januar 2018, 12:00 Uhr

Es war ein großer Sieg für die Wassergeusen, die niederländischen Freiheitskämpfer. Sie kannten sich bestens aus in den Kanälen und Sümpfen um Antwerpen und konnten so mit ihren kleinen, wendigen Booten die spanische Flotte in die Falle und damit ins Verderben locken. Von 5000 spanischen Soldaten wurden 4000 festgenommen. Und die hatten noch Glück, andere Gefangene von Seeschlachten wurden einfach über Bord geschmissen – zur Abschreckung.

Eine Radierung des Künstlers Wenzel Hollar erzählt von diesen fernen Schlachten. Die Grafik ist gemeinsam mit anderen seit gestern in einer kleinen Kabinettausstellung im Staatlichen Museum Schwerin zu sehen. Unter dem Titel „Orte und Ereignisse“ ausgewählt aus einem Konvolut von 228 niederländischen Druckgrafiken, die der Berliner Kunstsammler Christoph Müller dem Museum vor einem Jahr geschenkt hat. Wie im Jahr 2003 bereits 155 Gemälde des Goldenen Zeitalters der niederländischen und flämischen Kunst. Die sich anschließende Ausstellung „Kosmos der Niederländer“ löste einen Publikumsansturm ohnegleichen aus.

Ganz so pompös geht es im Kabinett diesmal nicht zu. Immerhin sollen die Grafiken der neuerlichen Schenkung in den kommenden Jahren nach und nach ausgestellt und schließlich mit einem Katalog gekrönt werden. Die einzigen Bedingungen des Sammlers für die neuerliche Schenkung. Mäzen Christoph Müller, der auch gestern wieder unnachahmlich vehement von seinen „Kindern“, seinen Kunstwerken, schwärmte, ist inzwischen sogar ein halbes Landeskind, neben seiner Wohnung in Berlin hat er auch in Sassnitz einen Wohnsitz.

Den Titel „Orte und Ereignisse“, so profan er auch klingen mag, hat der Kurator und Schweriner Holländer-Experte Gero Seelig natürlich nicht willkürlich gewählt. Denn obwohl die niederländische Kunst scheinbar den Alltag des 17. Jahrhunderts realistisch abbildet, weiß man heute, wie sehr auch diese Kunst erfundene Wirklichkeit widerspiegelt. Die nun gezeigten druckgrafischen Stadtansichten und Hafenszenen von Amsterdam oder Utrecht, all die Mühlen und Pferdewagen, auch die Landkarten, sieht Kurator Seelig mehr als kaum durch Fiktion verfremdete Wirklichkeit.

Ein Blatt von Ludolf Backhuysen, einem der damals populärsten Marinemaler, zeigt etwa eine Amsterdamer Hafenszene mit einer Herberge für Reisende, die erst nach der Schließung der Stadttore ankamen und bis zum Morgen warten mussten.

Voller Stolz verwies Sammler Müller gestern auch auf ein Blatt des besten Kirchenmalers des 17. Jahrhunderts, Pieter Saenredam, der Zeit seines Lebens nur drei Radierungen schuf – eine davon ist nun im Schweriner Besitz.

Und weil Christoph Müller nie eine Gelegenheit versäumt, für seine Sammlungen zu werben, verwies er schon mal auf die große Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald ab 25. März mit seiner Schenkung von 386 dänischen Kunstwerken – Titel „Die Dänen!“.

„Orte und Ereignisse“ – Druckgrafik aus der Schenkung Christoph Müller, bis 15. April 2018,
Staatliches Museum Schwerin

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