zur Navigation springen

869 Euro netto im Monat : Fast jeder Vierte in MV ist armutsgefährdet

vom

Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben im bundesweiten Vergleich das zweithöchste Armutsrisiko. Im vergangenen Jahr galt im Osten fast jeder Fünfte als arm, in der alten Bundesrepublik war es etwa jeder Siebte.

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2013 | 08:10 Uhr

Schwerin | Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben im bundesweiten Vergleich das zweithöchste Armutsrisiko. Im vergangenen Jahr galt im Osten fast jeder Fünfte (19,7 Prozent) als relativ arm, in der alten Bundesrepublik war es etwa jeder Siebte (14,0 Prozent). Im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2005 waren das im Osten 0,7 Prozentpunkte weniger und im Westen 0,8 Punkte mehr.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund spricht von einem Massenproblem im Nordosten der Republik. "In MV werden die niedrigsten Löhne Deutschlands gezahlt", sagte der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn. Kein Land brauche den Mindestlohn, Investitionen und ein Programm der sozialen Gerechtigkeit dringender.

Armut in Deutschland beginnt laut Statistischem Bundesamt bei einem Monatseinkommen von 869 Euro netto für einen Single und bei 1826 Euro für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren.

Im Nordosten haben 22,9 Prozent der Bevölkerung weniger als dieses Geld zur Verfügung. Damit sei die Armutsgefährdungsquote im Land im Vergleich zu 2011 um 0,7 Prozentpunkte gestiegen.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland auskommen müssen.

Davon betroffen sind den Angaben der Statistik zufolge vor allem Erwerbslose, Alleinerziehende, Paare mit drei und mehr Kindern sowie Geringqualifizierte.

Auch aus dem Arbeits- und Sozialministerium in Schwerin werden nun Maßnahmen gegen die wachsende Armutsquote gefordert. SPD-Vorsitzende und Arbeitsministerin Manuela Schwesig betonte: "Zu viele Menschen sind arm trotz Arbeit. Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn und die Regulierung von Leih- und Zeitarbeit." Zudem müssten wieder mehr Unternehmen in die Tarifbindung zurück. "Wer arbeitet muss auch einen Lohn erhalten von dem er leben kann", heißt es aus dem Ministerium weiter.

Für Arbeitslose seien mehr Qualifizierungsmaßnahmen und Beschäftigungsprogramme nötig. "Sonst werden die Probleme weiter wachsen", so Polkaehn vom DGB. Wer schon jung mit dem Armutsrisiko lebe, werde im Alter umso mehr davon betroffen sein.

Eine der in MV von Armut bedrohten Menschen ist Marion Bleck. Die Mutter dreier Kinder ist Vollzeitbeschäftigte und dennoch vom Staat abhängig. "Es ist ein mieses Gefühl, sich trotz Arbeit nichts leisten zu können."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen