Ausbildung in MV : Fast ein Drittel der Azubis wirft hin

Dringend gesucht: Azubis in MV dpa
Dringend gesucht: Azubis in MV dpa

Fast jeder dritte Auszubildende in MV bricht seine Lehre vorzeitig ab. 2010 lösten 31,5 Prozent der Azubis ihre Verträge vorfristig. Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist am stärksten betroffen.

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04. November 2012, 06:19 Uhr

Schwerin | Nirgendwo in Deutschland schmeißt ein so großer Anteil der Lehrlinge die Ausbildung hin wie in Mecklenburg-Vorpommern. Das geht aus dem Datenreport zum jüngsten Berufsbildungsbericht 2012 hervor, in dem die Abbrecherquoten aus dem Jahr 2010 erfasst worden sind. Demnach löste fast jeder dritte Azubi seinen Vertrag vorzeitig auf. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung Bonn (BIBB) kam Sachsen-Anhalt mit 29,2 Prozent Vertragslösungen auf den zweitschlechtesten Platz, gefolgt vom Saarland (27,9) und Thüringen (27,7).

Im Bundesdurchschnitt lag die Abbrecherquote bei 23 Prozent - die meisten Lehrvertragslösungen mit über 40 Prozent fallen in den Bereich von Hotels und Gaststätten. "Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen", sagte Horst Schmitt, Sprecher der Regionaldirektion Nord der Bundesarbeitsagentur in Kiel. "Wir können es uns gesellschaftspolitisch und aufgrund der demografischen Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern nicht leisten, dass wir Potenziale am Arbeitsmarkt verschenken." Für ein Senken der Abbrecherquote sei eine frühzeitige Berufsorientierung in den Schulen wie auch durch die Eltern nötig, forderte Schmitt. Von den 350 Ausbildungsberufen in Deutschland seien vielen nicht mal ein Dutzend bekannt, bemängelte Sprecher Schmitt die aktuelle Situation im Land.

Für lernschwächere Berufsschüler zahle die Bundesagentur "ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)", um Lehrabbrüchen vorzubeugen, betonte Schmitt. Nachhilfe gebe es in Mathematik, Deutsch oder zum Thema Konfliktbewältigung. In Mecklenburg-Vorpommern nutzten derzeit 350 Jugendliche diesen kostenlosen Unterricht. Vor einer Ausbildung seien auch sechs- bis zwölfmonatige Betriebspraktika als Einstiegsqualifizierung möglich. Ohnehin mangele es dem Nordosten an Ausbildungsbewerbern, so Schmitt. Ende August standen 1800 Suchenden noch mehr als 3200 unbesetzte Plätze gegenüber. Insgesamt stellen die Betriebe im Land pro Jahr knapp 6000 neue Ausbildungsstellen bereit. Trotz des Bewerbermangels geht laut Handwerkskammer Schwerin die Lösung der Ausbildungsverhältnisse dreimal so häufig von den Betrieben als von den Lehrlingen aus. Gründe seien mangelnde Leistungen und fehlende soziale Kompetenzen der Jugendlichen, erklärte eine Sprecherin. 2011 wurden im Handwerk Westmecklenburgs gut 14 Prozent der Lehrverträge vorzeitig gelöst. Immerhin jeder fünfte Abbrecher setzte seine Ausbildung in einem anderen Betrieb aber fort, wie es hieß.

Laut der Vereinigung der Unternehmensverbände (VUMV) wechselt etwa jeder dritte Lehrabbrecher bereits in der Probezeit in einen anderen Betrieb oder Beruf. Auch der Weg von einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte in ein Unternehmen sei statistisch eine Vertragslösung. Dies bedeute aber nicht den Abbruch der Ausbildung, sondern eine Neuorientierung, sagte Hans-Günter Trepte, Geschäftsführer Berufsausbildung. "Es steht zum Schluss keiner auf der Straße."

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