Der Brexit und das Verbot : Fangstopp für den Ostsee-Hering?

Auf die Heringsfischer in der Ostsee kommt ein drastisches Fangverbot zu

Auf die Heringsfischer in der Ostsee kommt ein drastisches Fangverbot zu

Den Fischern stehen schwere Zeiten bevor. Es formiert sich ein Widerstand.

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02. Juli 2018, 20:45 Uhr

Fischer, Fischverarbeitung und Politiker wollen ein drohendes Heringsfangverbot in der westlichen Ostsee nicht widerstandslos hinnehmen. Der EU-Abgeordnete und Vize-Chef des EU-Fischereiausschusses, Werner Kuhn (CDU), und der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer starteten am Montag eine an EU-Fischereikommissar Karmenu Vella gerichtete Petition, das von der Wissenschaft empfohlene Fangverbot für 2019 zu verhindern. Unterstützung erhoffen sich die Initiatoren von den deutschen Küstenkommunen.

Gefordert werde eine Mindestquote für den Brotfisch Hering. Ansonsten verlören die Fischer ihre Existenzgrundlage, sagte Kuhn.„Sozioökonomische Aspekte müssen bei der Festlegung der Quote eine Rolle spielen.“ Der EU-Ministerrat entscheidet im Oktober über die Fangmengen für 2019.

Auch das EuroBaltic-Fischwerk in Sassnitz kritisierte die Null-Fang-Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) für die Ostsee und die drohende Kürzung der Nordsee-Quote um 52 Prozent. Die Wissenschaft sei weiter aufgefordert, die Ursachen des Bestandsrückgangs zu erforschen, sagte Geschäftsführer Uwe Richter.

Auch wegen des bevorstehenden Brexits arbeitet das Werk nach Angaben Richters an alternativen Lösungen zur Auslastung. Das EuroBaltic-Fischwerk auf der Insel Rügen gehört mit einer Verarbeitungsmenge von bis zu 50 000 Tonnen Hering aus Nord- und Ostsee zu den größten Fischverarbeitern in Europa.

Etwa 40 000 Tonnen der in Sassnitz verarbeiteten Herings stamme aus der Nordsee und zu 100 Prozent aus den vom Brexit betroffenen Gewässern, sagte Richter.„Die inzwischen ausgehandelte Beibehaltung des Status quo mit Großbritannien bis 2020 ist ein Zwischenschritt.“ Er setze darauf, dass sich EU und Großbritannien für die Zeit danach auf einen Kompromiss einigen, der den gegenseitigen Zugang zu den Fischereigewässern und ein Freihandelsabkommen beinhalte.

Dennoch geht das Fischwerk davon, aus dass die Anlandungsmengen in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen könnten. Man arbeite an alternativen Lösungen zur Auslastung des Werks mit 200 Arbeitsplätzen, sagte Richter. „Wir sind einer der größten Arbeitgeber auf der Insel.“ Die Reduzierung der Heringsquote in diesem Jahr habe bereits dazu geführt, dass das Werk im März und April wegen zu geringer Stellnetzanlandungen nicht ausgelastet gewesen sei. Das Fischwerk will jetzt verbindliche Gespräche mit den Fischereiunternehmen führen, um diskontinuierliche Belieferungen im kommenden Jahr auszuschließen. Ansonsten müsse man die „Reißleine ziehen“, so Richter.

Die Annahme und Verarbeitung von Hering aus der östlichen Ostsee schloss Richter aus. Man wolle sich das Schadstoffproblem nicht ins Werk holen. Hering aus der östlichen Ostsee beginnend ab Polen gilt als stärker schadstoffbelastet.

Die Fischer machen neben klimatischen Veränderungen die zunehmende Robbenpopulation in der „Kinderstube des Herings“, dem Greifswalder Bodden, für den Rückgang der Heringsbestände in der westlichen Ostsee verantwortlich. Der EU-Abgeordnete Kuhn schloss künftig Abschüsse von Robben zur Bestandsregulierung nicht aus, wenn nachgewiesen sei, dass der Robbenbestand eine stabile Größe erreicht habe und eine fischereiliche Tätigkeit nicht mehr möglich sei.

Der ICES hatte wegen der schlechten Nachwuchsproduktion des Bestandes eine einjährige Aussetzung der Heringsfischerei in der westlichen Ostsee empfohlen und als Maßnahme zur Bestandsstabilisierung den Limitreferenzwert für die Biomasse an erwachsenen Heringen in der westlichen Ostsee von derzeit 90 000 Tonnen auf 120 000 Tonnen heraufgesetzt. Der Hering-Bestand mit derzeit etwa 105 000 Tonnen läge damit unter dem Referenzwert und damit automatisch im kritischen Bereich. Welche Auswirkungen diese Veränderung auf die MSC-Zeritifizierung habe, ist bislang noch offen, sagte Richter.

Sollte das Öko-Siegel für die Schleppnetzfischerei in der Ostsee aberkannt werden, würde sich der Absatz deutlich erschweren.

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