Internationaler Tag der Feuerwehrleute : Familienleben mit der Feuerwehr

Marko und Janette Brandes mit ihren Töchtern Chelsea und Shirley (l.)
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Marko und Janette Brandes mit ihren Töchtern Chelsea und Shirley (l.)

Marko Brandes ist Ortswehrführer in Lüblow, seine Frau Janette in der Amtswehrführung aktiv. Ein zeitraubendes Ehrenamt

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04. Mai 2017, 11:45 Uhr

„Gibt es diesen Tag wirklich?“ Marko Brandes ist überrascht. Aber wer, wenn nicht er, müsste es eigentlich wissen? Der 45-Jährige verdient sein Geld bei der Berufsfeuerwehr in Hamburg. Und wenn er Feierabend hat, ist er weiter bei der Feuerwehr aktiv – bei der Freiwilligen Feuerwehr Lüblow. Doch vom Internationalen Tag der Feuerwehrleute, der am 4. Mai begangen wird, hatte der Wehrführer bisher noch nichts gehört. Der Ehrentag war eingeführt worden, nachdem 1999 in Australien fünf Feuerwehrleute bei einem Lauffeuer ums Leben gekommen waren. In MV gilt er 40 000 Mitgliedern in 980 freiwilligen, 640 Jugend- und sechs Berufsfeuerwehren.

Dass Marko Brandes zur freiwilligen Feuerwehr fand, ist kein Zufall. Sein Vater war 26 Jahre lang Wehrführer in Lüblow. „Als 1987 dann Starter für den Wirkungsbereichsausscheid gebraucht wurden, bin ich mit eingestiegen, obwohl ich noch gar nicht ganz 16 war.“ Während viele Gleichaltrige irgendwann wieder austraten, blieb Marko Brandes dabei. „Um so lange durchzuhalten, muss es eine Berufung, ein Bedürfnis sein, der Allgemeinheit, den Menschen in der Gemeinde Hilfe geben zu wollen“, sagt der 45-Jährige. 2006 folgte er seinem Vater als Wehrführer. „Ich glaube, das war ihm auch wichtig.“

Zumeist zehn bis 15 Einsätze im Jahr, die (fast) wöchentliche Ausbildung, Wettkämpfe und das Training dafür, Einsätze als Kampfrichter, Beratungen – Marko Brandes’ Kalender ist voll mit Feuerwehr-Terminen. „Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht“, sagt der 45-Jährige. Aber er hat Glück. Seine Frau Janette toleriert es. Mehr noch. Die 34-Jährige ist selbst mit Leib und Seele Feuerwehrfrau und auch seit dem Jugendalter dabei. So wundert es nicht, dass sich das Paar auch bei der Feuerwehr „gefunden“ hat. „Wir haben uns immer mal bei Wettkämpfen getroffen. Und beim Inselpokal auf Poel 2003 fing es dann an“, erzählt Janette Brandes.

Natürlich sind die Töchter Chelsea und Shirley inzwischen auch Mitglied der Feuerwehr, der Lüblower Floriangruppe. „Da werden die Wettkämpfe in der Regel zum Familienausflug“, sagt die Bankkauffrau. Die Kinder stört es nicht. Die sechsjährige Shirley findet es „cool“, und Chelsea (neun Jahre) sagt: „Am besten finde ich die Nachtläufe, weil wir da länger mit unseren Freundinnen spielen können.“

Mit der eigenen Frau in derselben Feuerwehr aktiv zu sein, kann an sich schon eine Herausforderung sein. Bei Marko Brandes kommt es noch besser. „Mama ist Papas Chef“, sagt Chelsea und hat damit nicht ganz Unrecht. Janette Brandes ist stellvertretende Amtswehrführerin des Amtes Ludwigslust-Land. Und manchmal gebe es tatsächlich kleine Kompetenzgerangel, sagt die Feuerwehrfrau und erinnert an den Disput um den Platz neben dem Fahrer bei Einsätzen. Dort sitzt in Lüblow jetzt nicht mehr der Wehrführer, sondern ein Gruppenführer. „Wie soll ein junger Gruppenführer etwas lernen, wenn er nie selbst entscheiden kann“, sagt Janette Brandes. „Aber es ist gut, dass Marko mit seiner Berufserfahrung dabei ist, damit man sich die eigenen Entscheidungen nochmal abnicken lassen kann.“

Seit 2000 arbeitet Marko Brandes bei der Berufsfeuerwehr in Hamburg – immer im Wechsel beim Rettungsdienst und bei der Feuerwehr. Schöne, belastende, kuriose Einsätze – das Spektrum sei natürlich viel größer als bei einer kleinen freiwilligen Feuerwehr. „So wurden wir mal zu einem Einsatz gerufen, weil ein vierjähriges Mädchen über Notruf mitgeteilt hatte, dass seine Mama Herzschmerzen habe“, erzählt der Lüblower. „Wir rückten aus und stellten vor Ort fest, dass die Mutter Liebeskummer hatte.“ Auch ein Baby hat Marko Brandes mit auf die Welt geholt. „Es ist toll, Leben zu schenken.“

Auch wenn die Arbeit in der Berufsfeuerwehr anders ist als im Ehrenamt, eines unterscheidet sich nicht: „Eine gute Ausbildung ist wichtig. Sie ist auch unsere Garantie“, sagt Marko Brandes. „Je mehr man weiß, desto weniger Unfälle passieren.“ Das sei bei den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten lange Zeit vernachlässigt worden.

Jahr für Jahr investieren Marko und Janette Brandes – genauso wie viele andere Feuerwehrleute – hunderte Stunden Freizeit in ihr Ehrenamt. Ausreichend gewürdigt sehen sie das oft nicht. „Mich nerven die Lippenbekenntnisse der Politik“, sagt der Wehrführer. „Vor den Feuerwehrleuten werden Versprechungen gemacht und am Ende ist es nicht finanzierbar.“ Auch bei der Berufsfeuerwehr sei das nicht viel anders, es gehe ums Geld. Sie frustriert, dass es auch Bürger gibt, die gegen die Feuerwehr sprechen. Dennoch machen beide weiter: „Wenn wir es nicht machen, macht es keiner.“

 
 

Viele MV-Teams bei Treppenlauf

Mehr als 20 Feuerwehrleute aus Mecklenburg-Vorpommen starten an diesem Samstag beim bundesweit größten Treppenlauf der Brandbekämpfer in Berlin.

Beim „Berlin Firefighter Stairrun“ müssen zwei Kameraden mit Schutzausrüstung als Team möglichst schnell 770 Stufen hochlaufen, wie ein Sprecher des Berliner Organisationsteams gestern sagte. Insgesamt starten rund 760 Feuerwehrleute aus elf Nationen in dem Hochhaushotel, das Gros aus Deutschland, Dänemark, Polen, Italien, Frankreich und Luxemburg.

Aus Mecklenburg-Vorpommern gehen fünf Teams aus Neubrandenburg, vier aus Wismar sowie weitere aus Schwerin, Güstrow, Bad Kleinen und Anklam an den Start. Es gibt fünf Kategorien. Dabei wollen die Neubrandenburger Heiko Gehrke und Dietmar Kirsch den Titel der „Oldies XL“ verteidigen, was zusammen älter als 100 Jahre bedeutet.„Es wird aber sehr eng“, sagte der 51-jährige Gehrke, der 2016 mit seinem Kameraden knapp acht Minuten für die fast 40 Etagen brauchte.

Zudem gibt es die „Youngster“ (bis zusammen 79 Jahre), „Oldies“ (80 bis 99 Jahre) sowie „Ladies“ und „Mix“ ohne Altersgrenze. Die Schnellsten waren 2016 „Youngster“ aus dem polnischen Stettin (Szczecin). Sie stellten mit 5:42 Minuten einen neuen Rekord auf.

Der „Berlin Firefighter Stairrun“ findet zum siebten Mal statt und gilt laut Veranstalter auch in Europa als härtester Treppenlauf.

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