Interview : Familie ist nicht reine Frauensache

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD)
Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD)

Die Erhöhung der Frauenquote in Spitzenpositionen ist ein richtig dickes Brett – das weiß auch Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD)

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07. März 2018, 05:00 Uhr

Wie in der Wirtschaft sind an den Universitäten und Hochschulen des Landes die Spitzenpositionen meist von Männern besetzt. Ein Zustand, der für Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD), die zuvor als Sozialministerin auch für die Gleichstellung zuständig war, nicht akzeptabel ist. Joachim Mangler sprach mit ihr.

Der Frauenanteil in universitären Spitzenpositionen ist nach wie vor sehr gering, in den Uni-Kliniken sogar bei nur rund zehn Prozent. Was kann der Gesetzgeber tun?
Hesse: Zwar gibt es zwei Rektorinnen an der Universität Greifswald und der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Die Frauenquote an den Hochschulen ist aber völlig unbefriedigend. Wir sind gerade dabei, das Landeshochschulgesetz zu novellieren. Da wird ein Passus zur Frauenförderung enthalten sein, der mehr ist als nur eine höfliche Aufforderung. Klar ist aber auch, dass das alles schwer in Gesetzen zu verankern ist. Das ist letztlich eine Einstellungsfrage in den Köpfen der Beteiligten.

Es ist doch weiter das klassische Familienbild, dass sich Frauen um die Kinder kümmern.Lässt sich das so einfach ändern?
Wir müssen darauf achten, dass Frauen eine reelle Chance bekommen, wenn sie diese wollen. Sie sind zu oft diejenigen, die bei der Karriere zurückstecken und sich um die Familie kümmern. Familie ist aber nicht reine Frauensache. In einer guten Partnerschaft kümmern sich beide um die Kinder. Wenn eine Frau trotz bester Ausbildung lieber in der zweiten Reihe stehen möchte, ist das zu respektieren. Andererseits glaube ich, dass diese Entscheidungen nicht immer so ganz freiwillig sind. Ich sehe gleichzeitig aber auch, dass immer mehr Männer ihr eigenes Rollenverständnis überdenken und auf ihre eigene Work-Life-Balance achten.

Wie können erfolgreiche Wissenschaftlerinnen andere Frauen unterstützen?
Da gibt es bestimmt mehrere Wege zur Ermutigung des weiblichen Nachwuchses. Unter anderem hat die Landesregierung ein Mentorenprogramm eingerichtet, bei denen jungen Wissenschaftlerinnen erfahrene Mentorinnen an die Seite gestellt werden.

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